Ludwig Ibaraki war ein wahrhaft mutiger Bekenner, trotz seines jungen Alters.P1030655 2 Er gehört zu den „Märtyrern von Nagasaki“. Doch wieso wird ein Märtyrer aus dem fernen Japan, noch dazu ein vergleichsweise unbekannter, in der Pfarrkirche Bökendorf dargestellt? Dazu erfahren Sie später mehr, denn zunächst ist hier die bewegende Geschichte des jungen, unerschrockenen und mutigen Blutzeugen:

Der Jesuit Franz Xaver begann 1549 die christliche Mission in Japan. Sein Werk wurde von weiteren Jesuiten-Missionaren unterstützt. Als er 1570 starb, waren etwa 20.000 Japaner Christen geworden. Um 1574 kam es zu großen Erweckungen, so dass um 1580 etwa 300.000 Christen von 54 Jesuiten betreut wurden. Binnen weniger Jahre wuchs die Zahl auf eine dreiviertel Million Japaner. 1587 setzte eine Gegenbewegung ein. Die Missionare wurden des Landes verwiesen, blieben aber in Japan und missionierten weiter.

Der Konflikt zwischen der japanischen Regierung und den Missionaren wurde von spanischen Kaufleuten, die das portugiesische Handelsmonopol brechen wollten, angefacht. Missionare der Franziskaner, die in Unkenntnis der Lage öffentliche Gottesdienste abhielten und nicht im Verborgenen arbeiteten wie die Jesuiten verschärften die Spannungen. Schließlich führte die Drohung eines spanischen Kapitäns, Spanien werde Japan den Krieg erklären, zu dem Todesurteil gegen alle Christen, das dann auf die spanischen Missionare und ihre Anhänger reduziert wurde.

Am 05.02.1597 wurden 26 Christen bei Nagasaki gekreuzigt. Genannt werden die Franziskaner Martino del Asumpcion, Francisco Blanco, Filippo de Jesu de las Casas, Gonzalves Garcia und Francisco de San Miguel, die Jesuiten Jakob Kisai, Paul Miki und Johannes Soan de Goto sowie die japanischen Christen Petrus Blasquez (Baptist), Anton Deynan, Gabriel Duisko, Gaius Francis, Ludwig Ibaraki, Paul Ibaraki, Leo Karasumo, Johannes Kisaka, Michael Kozaki, Thomas Kozaki, Bonaventura von Miyako, Matthias von Miyako, Franziskus von Nagasaki (oder Miyako), Joachim Sakkakibara, Petrus Sukagiro (Xukexico), Paul Suzuki, Cosmas Takeya und Thomas Xico (sie waren überwiegend Franziskaner-Tertiarier).

Der zwölfjähriger Ludwig Ibaraki wurde auf dem Todesmarsch von dem Stellvertreter des Gouverneurs beiseite genommen: "Ich will dein Leben retten, wenn du das Christentum aufgibst und mir folgst. Ich werde dich zu einem berühmten Samurai machen." Aber der Junge schüttelte nur unwillig den Kopf und rief: „Ich habe gelobt, meinen Glauben nicht zu verleugnen und Gott nicht zu beleidigen. Die Freuden und Ehren des Lebens sind nur wie Schaum auf dem Wasser, wie der Morgentau auf den Gräsern. Die Freuden und Ehren des Himmels dagegen sind unvergänglich. Wenn du wirklich mein Leben retten willst, dann rette das Christentum in Japan."

Auf dem Richtplatz konnte der kleine Ludwig nicht sofort das für ihn bestimmte Kreuz finden. Er lief hin und her vor Aufregung, er könne vergessen worden sein. Schließlich eilte er auf den Vizegouverneur zu und fragte: „Herr Gouverneur, wo ist mein Kreuz? Ich möchte es umarmen und an meine Brust drücken.“ Ans Kreuz gefesselt, betete er still. Als die Lanzen seine Brust durchstießen, rief er mit lauter Stimme: "Paraiso, paraiso – Paradies, Paradies!"

1614 setzte eine neue Verfolgungswelle in Japan ein, der bis 1640 mehrere tausend Christen zum Opfer fielen. Erst um 1860 konnten wieder Missionare in Japan einreisen, die christliche Gruppen vorfanden, die in der langen Verfolgungszeit im Untergrund überlebt hatten. 1889 wurde die Religionsfreiheit in Japan in die Verfassung aufgenommen. Heute sind etwa 1,3 Millionen Japaner (1 % der Bevölkerung) Christen.

Papst Pius IX. verkündete am 8. Juni 1862 im Petersdom zu Rom: "Weil diese sechsundzwanzig Märtyrer für unseren heiligen Glauben ihr Leben dahingegeben haben, werden sie heute heiliggesprochen. Die Gläubigen aller Länder sollen ihre Fürbitte anrufen und sie verehren."

Ludwig Ibaraki war eifriger Messdiener. In der Pfarrkirche Bökendorf wird er im zweiten Fenster auf der linken Seite daher auch im Messdienergewand (aus der Zeit des Kirchenbaus) dargestellt. Die Kirche wurde von 1962 bis1964 erbaut. Zu dieser Zeit tagten unter der Kuppel im St.-Peters-Dom die Konzilsväter aus allen Völkern, Stämmen und Nationen der Weltkirche. Das Fenster zeigt so ein Stück Zeitgeschichte, als die Pfarrkirche gebaut wurde. Dargestellt sind vier Heilige mit unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe. Ludwig Ibaraki steht hier stellvertretend für den asiatischen Raum. Somit ist nun auch geklärt, warum ein japanischer Märtyrer in der westfälischen Provinz dargestellt wird.

Eckdaten zum Hl. Ludwig Ibaraki:
Gedenktag katholisch: 06. Februar
Geboren: 1585
Gestorben: 5. Februar 1597 auf dem Berg Tateyama (Weizenberg) in Nagasaki in Japan

Leben, Bedeutung und Verehrung (bitte Link anklicken):
Link: Ökumenisches Heiligenlexikon

 

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