Am 21.10.2012 hat Papst Benedikt XVI. erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche eine Angehörige der indianischen Bevölkerung Nordamerikas zum verehrungswürdigen Vorbild für alle Katholiken erhoben. In einer feierlichen Zeremonie wurde Kateri Tekakwitha (1656-1680) heiliggesprochen. Für die vielbeachtete Heiligsprechung der nordamerikanischen Indianerin hatte US-Präsident Barack Obama eine eigene Delegation auf den Petersplatz geschickt. Die im Alter von 20 Jahren getaufte Tochter eines Mohawk-Indianers und einer christlichen Mutter sei vor Verfolgung geflüchtet und habe in Montreal Zuflucht gefunden, sagte Benedikt. Sie habe die religiösen Überzeugungen ihres Volkes verworfen und sei ihrer Liebe zu Jesus treugeblieben. «Wir vertrauen ihr die Erneuerung des Glaubens in ganz Nordamerika an. Gott segne die indigenen Völker!», rief er.

Doch was hat Kateri Tekakwitha mit Bökendorf zu tun? Nun, ganz einfach: Kopie von P1020673sie ist in einem der zehn großen Kirchenfenster im Hauptschiff der Pfarrkirche dargestellt! Das Fenster zeigt ein Stück Zeitgeschichte, als die Pfarrkirche gebaut wurde. Unter der Kuppel im St.-Peters-Dom tagten die Konzilsväter aus allen Völkern, Stämmen und Nationen der Weltkirche. Dargestellt sind vier Heilige unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe. Kateri Tekakwitha steht somit stellvertretend für die indigenen Völker Amerikas.

1980 wurde Kateri Tekakwitha seliggesprochen. Die Indianerin starb vier Jahre nach ihrer Taufe: am 17. April 1680; sie war erst 24 Jahre alt. 1656 erblickte das Mohawk-Mädchen im heutigen US-Staat New York das Licht der Welt; sie war die Tochter des Häuptlings Kenneronkwa und der Algonquin-Squaw Tagaskouita, die schon bald verstarben. In ihrer Jugend wurde das Mädchen pockenkrank. Von ihrer Sippe wurde sie schwer mißhandelt, weshalb sie sich in ein katholisches Indianerdorf rettete und dort getauft wurde.

In einer Jesuiten-Pfarre in der Nähe von Montreal – Kahnawake – legte sie 1679 gegen den Willen ihrer Verwandten ein Enthaltsamkeitsgelübde ab und widmete den Rest ihres kurzen Lebens Alten, Kranken und Kindern. Die Indianer-Jungfrau wird vor allem im Heiligtum von Kahnawake bei Montreal verehrt, wo sie beigesetzt wurde. Kahnawake ist heute ein Reservat, in dem noch ca 7300 Mohawk-Indianer leben.

KateriDer Name Kateri bedeutet „die Reine“ (griech.) und Tekawitha „die Ordnung Schaffende (Mohawk-irokesich). Kateri Tekakwitha ist Patronin der Ökologie sowie des Natur- und Umweltschutzes.

Der damalige Pfarrvikar Albert Tecklenburg schien beim Bau der Kirche in den Jahren 1962-1964 „hellseherische“ Fähigkeiten zu haben. Schon damals betitelte er Kateri Tekakwitha als „selig“ (vgl. Schriftzug im Fenster), obwohl sie erst 1980 offiziell seliggesprochen wurde. Die Darstellung der Hl. Kateri Tekakwitha ist kein Zufall, sondern ganz bewusst erfolgt. Die Auswahl der Heiligen in den Fenstern dokumentiert in auffallender Weise die starke Verbundenheit der kleinen Gemeinde zur großen Weltkirche.

Eckdaten zur Hl. Kateri Tekakwitha:
Gedenktag katholisch: 17. April, in Amerika der 14. Juli.
Geboren: 1656 in Ossernenon – heute Auriesville im Bundesstaat New York, USA
Gestorben: 17. April 1680 in Caughnawaga/Kahnawake in Kanada

Leben, Bedeutung und Verehrung (bitte Links anklicken):
Link: Ökumenisches Heiligenlexikon