Hallo ich bin Tom. Ich bin ein Reporter und durfte dabei sein,

als Jesus geboren wurde. Ja, wirklich! Ich, Tom, durfte dabei sein und alles miterleben! Und das kam so: Im Auftrag meines Chefs reiste ich nach Israel und landete statt in der Gegenwart in der Vergangenheit. Dort begleitete ich Maria und Josef auf ihrem Weg von Nazareth nach Betlehem. Das ganze Erlebnis beeindruckte mich so sehr, dass ich beschloss, noch einmal nach Israel zu fahren.
Natürlich hoffte ich wieder auf eine Zeitreise. Aber ob mir das gelingen würde? Egal, auf jeden Fall begann ich mich auf solch eine Reise vorzubereiten und in der Bibel zu lesen, von der ich nicht sehr viel Ahnung hatte.

Doch kaum hatte ich begonnen, rief mich mein Chef schon wieder zu sich. Er sagte – genau wie beim letzten Mal: „Steig in das nächste Flugzeug nach Israel und flieg hin. Berichte über alles, was du dort siehst. Versuch außerdem die Leute zu befragen, die du triffst.“
Ihr könnt euch vorstellen, wie es mir nun ging: Ich war aufgeregt und hatte riesiges Herzklopfen. Sollte ich noch einmal in die Vergangenheit reisen dürfen? Was würde ich dabei sehen? Vielleicht würde ich ja erleben wie Jesus als Kind war! Das würde mir gefallen! Vielleicht würde ich sehen wie er mit den Menschen umging und ihnen half! Vielleicht würde ich ihn sogar selbst sehen und sprechen können! Das wäre natürlich das aller-, aller-, allertollste! Vielleicht ... Ich wagte mir kaum vorzustellen, was ich erleben würde. Stattdessen hielt ich mir nur die Daumen und hoffte und hoffte. Aber ich hatte auch Angst, denn ich befürchtete, dass ich vielleicht doch keine Zeitreise machen, sondern in der heutigen Zeit landen würde, wo sich die Israelis und Palästinenser noch immer bekämpfen, wo es immer noch Hass und Streit gibt.
„Alles, bloß das nicht!“, dachte ich.
Tja, da wusste ich noch nicht, was ich erleben würde – und ich weiß nicht, ob ich, wenn ich es vorher gewusst hätte, noch nach Israel geflogen wäre. Ich glaube, ich hätte mich gedrückt. Denn das, was ich wirklich erlebte, war viel schlimmer, aufregender, schöner ... ach, ich weiß auch nicht. Ich weiß nur, dass ich es mir nie hätte vorstellen können und auch nie gewünscht hätte.
Aber ich glaube, ich muss meinen Bericht nun endlich anfangen.

Also, ich fuhr zum Flughafen, setzte mich in das Flugzeug nach Israel und flog los. Unterwegs drückte ich mir die ganze Zeit die Daumen bis sie mir so richtig wehtaten. Dann setzte das Flugzeug zur Landung an. Kaum wagte ich aus dem Fenster zu gucken: War da ein Flughafen oder nicht? Schließlich aber schaute ich nach draußen und – atmete erleichtert auf: Kein Flughafen war in Sicht. Also hatte ich es geschafft und war wieder in der Vergangenheit gelandet. Jetzt stellte sich nur noch die Frage: Wo war ich und welches Jahr hatten wir?
Als das Flugzeug gelandet war, stieg ich aus und hörte noch die Verabschiedung der Stewardess, die mir sagte, dass sie mich später abholen würden. Aber das wusste ich ja bereits und deshalb achtete ich nicht darauf. Stattdessen sah ich mich neugierig und gespannt um. Da – in weiter Ferne entdeckte ich einen Ort.

Ich kniff die Augen zusammen um zu sehen, ob ich ihn wieder erkennen würde. Hm, ja, der Ort sah vertraut aus.
Langsam näherte ich mich ihm und erkannte bald: Es war keine kleine Stadt, kein Dorf wie Nazareth oder Bethlehem, nein, Jerusalem lag vor mir! Jerusalem, die Stadt, in der der Tempel lag. Jerusalem, die wichtigste Stadt der Juden und damit das Wunschziel eines jeden Juden, die Stadt, in der die Römer ihre Burg hatten.
Ich freute mich! Als ich beim ersten Mal dort war, hatte ich ja kaum Zeit gehabt mich umzusehen. Damals ging es ja weiter nach Bethlehem. Ob ich jetzt mehr Zeit hier verbringen würde? Was würde ich jetzt erleben? Würde ich vielleicht etwas wiedererkennen?
Mit diesen Gedanken schritt ich durch das Tor in die Stadt – besser gesagt: durch ein Tor.
Aber: Was war hier los? So voll hatte ich Jerusalem nicht in Erinnerung. Es war hier ja schlimmer als damals in Bethlehem. Waren vielleicht alle Juden nach Jerusalem gekommen? Sollten sie sich hier etwa auch zählen lassen? Ich wusste es einfach nicht, denn – wie ihr wisst, hatte ich keine Ahnung von der Bibel.
Weil es so voll war, beschloss ich, mir erst einmal eine Unterkunft zu suchen. Schließlich betrat ich den Hof einer Herberge. Er kam mir sehr bekannt vor. Das war ja die Herberge, in der ich damals auch schon übernachtet hatte. Doch wo war der Wirt von damals?
Der Mann, der mir meinen Schlafplatz zeigte, war nicht der damalige Wirt. So fragte ich: „Vor einiger Zeit war ich schon einmal hier. Damals war Benjamin hier Wirt. Können Sie mir sagen, wo er ist?“ „Benjamin? Der ist doch schon lange tot! Er starb vor 20 Jahren. Das war im Jahre 3770.“
Ich war ein wenig erschrocken, denn ich hatte gehofft, einen Bekannten wiederzusehen. Aber gleichzeitig war ich auch erleichtert. Nun wusste ich doch ohne fragen zu müssen, in welchem Jahr ich gelandet war: Wenn der alte Wirt vor 20 Jahren im Jahr 3770 gestorben war, dann hatten wir jetzt das Jahr 3790.
Schnell rechnete ich nach und überlegte, welches Jahr das in unserer Zeit war. Das war – falls ich mich nicht irrte – das Jahr, in dem Jesus – aber nein, das konnte, das durfte doch nicht wahr sein! Nein, alles, nur das nicht! Es war das Jahr, in dem Jesus starb. Sollte ich etwa auch das miterleben?! Das wollte ich nicht! Nein, das nicht! Aber - vielleicht hatte ich mich ja auch geirrt.
Langsam beruhigte ich mich wieder und stellte dem Wirt meine nächste Frage: „Dieses Mal ist Jerusalem ja noch voller als bei meinem ersten Besuch. Können Sie mir sagen, was los ist?“
Der Wirt schaute mich mit großen Augen an. Sicherlich dachte er: „Wo kommt denn der her? Weiß der denn gar nichts? Es ist doch klar, warum die Stadt so voll ist!“ Das sagte er natürlich nicht, sondern er erklärte: „Bald haben wir Passah. Zu diesem Fest kommen alle Juden, die es nur irgendwie können, nach Jerusalem um zu feiern.“