Passah? Was war Passah?

Irgendwo hatte ich das Wort zwar schon einmal gehört, aber ich hatte keine Ahnung, was das für ein Fest war. So weit war ich beim Lesen der Bibel einfach noch nicht gekommen. Also erkundigte ich mich beim Wirt und dieser erklärte es mir:

„Das Passahfest beginnt am Abend des 15. Tages des Frühlingsmonats mit einem besonderen Mahl. Den Frühlingsmonat nennen wir Juden übrigens Nisan.
Das Passahfest erinnert daran, dass Gott die Israeliten vor langer Zeit aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Und das war so: Die Israeliten lebten in Ägypten. Sie waren Sklaven, d. h. sie mussten alles machen, was die Ägypter sagten. Aber das war noch nicht alles. Sie durften auch nicht einfach weggehen und in ein anderes Land ziehen, sondern mussten in Ägypten wohnen bleiben. Die Ägypter wussten nämlich: Wenn die Israeliten weggehen, dann haben wir nicht genug Leute, die für uns arbeiten. So ging das viele Jahre.
Dann wurde ein Kind geboren, das Mose hieß. Mose war einer von uns – ein Israelit. Aber er lebte bei einer ägyptischen Prinzessin.
Warum? Das ist eine andere Geschichte, die hier nicht wichtig ist. Sie können sie aber in der Thora, in unserer Bibel nachlesen.
Wichtig ist nur, dass Mose später in die Wüste ging und Gott begegnete. Dieser befahl ihm, uns – das Volk Gottes, die Israeliten – zu befreien. Er sollte zum Pharao gehen, das war der ägyptische König. Dann sollte er ihn bitten uns frei zu lassen.
Sie können sich sicher denken, dass der Pharao dazu gar keine Lust hatte. Deshalb sagte Mose zu ihm, dass Gott Plagen schicken wird, wenn wir nicht frei kommen würden. Natürlich hat das nichts genützt. Darum kamen wirklich Plagen über die Ägypter: Einmal war das ganze Land voller Frösche, dann wieder kamen unendlich viele Heuschrecken, die alles auffraßen, was auf den Feldern wuchs, dann war das ganze Wasser rot wie Blut u. s. w.. Aber das alles hat nichts genützt. Erst als Gott alle ältesten Jungen bei den Ägyptern sterben ließ, durften wir gehen.
Bei uns starb niemand, denn wir hatten an unsere Türrahmen das Blut von einem Lamm gestrichen. So hatte Gott es uns durch Mose befohlen. Dadurch wusste er, wo wir wohnten.
Das Lamm, das wir geschlachtet hatten, aßen wir natürlich.
Als die Söhne der Ägypter starben, befahl uns der Pharao zu gehen. Kaum hatten wir Zeit uns vorzubereiten. Wir konnten nur schnell Brot ohne Sauerteig backen und essen, dann mussten wir los.
Unterwegs verfolgten uns die Ägypter, weil sie es sich anders überlegt hatten und uns doch nicht gehen lassen wollten. Aber Jahwe, unser Gott, beschützte und rettete uns, so dass wir schließlich in Sicherheit waren.

Das Passahfest feiern wir als Erinnerung an diese Geschichte. Darum ist es eines der wichtigsten jüdischen Feste.
Bevor die Feier beginnt, muss man alles vorbereiten, sich „rüsten“. Den Tag, an dem alles vorbereitet wird, nennen wir deshalb auch „Rüsttag“.
Das Fest wird immer gleich gefeiert: Wir loben Gott und erinnern uns an die Sklaverei und die Befreiung durch Gott. Dabei fragt der Jüngste, der dabei ist, was denn das Besondere an der Nacht ist und warum Mazzen und Bitterkräuter, Petersilie und Salzwasser, ein Mus aus Nüssen, Äpfeln, Rosinen, Feigen und Wein, ein Lamm und Eier gegessen werden u. s. w.. Der Leiter des Passahmahles erklärt das dann und erzählt die Geschichte, die ich Ihnen gerade erzählt habe. Dabei wird an bestimmten Stellen immer wieder das abgedeckte Brot auf- und wieder abgedeckt. Außerdem trinken wir an ganz bestimmten Stellen Wein aus unseren Bechern.
Danach nimmt der Leiter des Mahles das Brot, spricht einen Segen, bricht das Brot und reicht es den anderen. Anschließend wird gegessen und getrunken. Am Schluss wird noch ein Gebet gesprochen. Ein solches Passahmahl dauert übrigens mehrere Stunden.“

Ich hatte immer noch nicht alles verstanden. Deshalb fragte ich nach: „Mazzen? Bitterkräuter? Weshalb wird das alles gegessen?“
Die Antwort kam sofort: „Mazzen, also das ungesäuerte Brot, das Brot ohne Sauerteig essen wir, weil wir uns daran erinnern, dass wir damals auch keine Zeit hatten, ein anderes Brot zu backen. Die Bitterkräuter sind ein Zeichen dafür, dass die Sklaverei bitter war, d. h. schlecht für uns. Das Salzwasser symbolisiert die Tränen, die wir vergossen haben. Das braune Mus aus Nüssen u. s. w. erinnert an den Lehm, aus dem wir die Häuser und Pyramiden bauten. Das Lamm erinnert daran, wie Gott uns befreit hat, die Eier sind ein Zeichen für Tod und Leben, d. h. für den Tod in der Sklaverei und für das neue Leben in der Freiheit. Schließlich scheint ein Ei ja auch tot zu sein und doch schlüpft daraus ein Küken. Die Petersilie als grünes Kraut ist ebenfalls ein Zeichen für neues Leben. Ja und der Wein ist ein Zeichen dafür, dass wir freie Menschen sind, denn nur freie Menschen dürfen Wein trinken. So hat alles seine Bedeutung.“
Von diesen ganzen Informationen schwirrte mir der Kopf. Aber es klang sehr interessant und ich überlegte, dass ich gern eine solche Feier mitmachen würde.
Doch: Wer sollte mich schon dazu einladen?
Außerdem: Wenn ich Recht hatte und dies das Jahr war, in dem Jesus starb, dann sollte ich mich besser an seine Fersen heften und genau beobachten, was geschah. Zwar hatte ich dazu gar keine Lust – ich dachte dabei an das, was mit Jesus geschehen würde -, aber Pflicht ist Pflicht.