Wisst ihr noch, was für eine tolle Stimmung in Jerusalem herrschte als Jesus ankam? Aber das änderte sich schon bald!

Wie? Na, passt einmal auf, ich will es euch erzählen!
Ich weiß nicht, ob es am nächsten oder übernächsten Tag war, aber jedenfalls war es, als ich wieder einmal durch die Straßen Jerusalems schlenderte und versuchte herauszufinden, wo Jesus war.
Da hörte ich lautes Gebrüll: „Im Tempel passiert was! Jesus ist da!“
Ah, da war er also! Ich hätte es mir ja denken können, dass ich ihn im Tempel finden würde. Schließlich hatte er ja einmal gesagt, dass der Tempel das Haus seines Vaters ist. Also: Wo sollte er sonst sein? Aber was bedeutete: Da passiert was?
Na ja, ich vermutete, dass Jesus den Anwesenden gerade mal wieder die Thora erläuterte und einige da waren, die mit seinen Erklärungen nicht einverstanden waren. Bestimmt war das gemeint. Was denn sonst?
Ja, was denn sonst?! Ihr könnt euch ja denken, dass das nicht alles war und dass ich mich mal wieder geirrt hatte. Wieso? Ich will es euch gleich erzählen:
Also, ich kam zum Tempel und hörte sofort lautes Schreien und Rufen. Was um Himmels Willen war da nur los?
Ich ging schneller um ja nichts zu verpassen. Dann sah ich es!
Bevor ich euch aber berichte, was ich sah, muss ich euch ganz kurz etwas vom Tempel erzählen – aber keine Angst! Ich sage nicht mehr als nötig. Also: Zum Tempel gehören drei Vorhöfe. Im ersten, d. h. im äußersten Vorhof konnten die Tempelbesucher ihr Geld in das Geld umtauschen, das im Tempel benutzt wurde. Außerdem konnten sie dort die Tiere kaufen, die sie Gott opfern wollten. Darum gab es in diesem Vorhof Geldwechsler und Tierhändler. Ja, und dort geschah es:
Jesus lief dort herum und – ihr werdet es kaum glauben, denn auch ich traute meinen Augen nicht – warf alle Tische und Stände um. Die Tiere kamen frei und das Geld kullerte durch den Hof. Sicherlich könnt ihr euch denken, was das für ein Chaos war! Dabei rief Jesus mit lauter Stimme: „Gott hat gesagt: In meinem Tempel sollt ihr beten! Aber was macht ihr daraus? Ihr macht aus diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle! Gut, dann betrachte auch ich es so! (nach Jer 7,11).“
Man merkte so richtig, wie sauer Jesus war. Die meisten Besucher, die da waren, standen wie erstarrt – ich übrigens auch.
Als wir uns wieder rühren konnten, war der ganze Spuk vorbei und Jesus war wieder verschwunden. Hatte ich das alles nur geträumt? Ich sah mich um, bemerkte die umgeworfenen Stände und erschrockenen Gesichter der anderen Menschen und wusste: Das war real und nicht geträumt.
Nachdem ich mich ein wenig erholt hatte, befragte ich – bevor alle anderen auch gehen konnten – einige der Anwesenden um mich herum. Sie sollten mir ihre Meinung sagen.
Ein Tempelbesucher meinte kopfschüttelnd: „Was ist denn in den gefahren? Der ist doch sonst nicht so?!“
„Na und wenn schon! Ich habe meine Opfertiere immer hier gekauft!“, rief ein Käufer, „Und wo soll ich jetzt mein Geld wechseln?“
„Der verdirbt uns das ganze Geschäft! Gut, dass er weg ist!“ Das war ein Händler.
„Ich bin enttäuscht“, meldete sich ein Mann, „denn ich habe gedacht, dass Jesus sich um die Römer kümmert und gegen sie arbeitet. Dann hätte ich ihm bestimmt geholfen. Aber so? Ich weiß nicht so Recht!“
„Das bricht ihm das Genick!“, freute sich ein Schriftgelehrter: „Das nehmen die Menschen nie hin. Schließlich gab es hier schon immer Händler und Geldwechsler.“
„Wie führt der sich denn auf? Das ist das Haus Jahwes und nicht sein Haus! Er tut ja gerade so, als wüsste er, was Jahwe in seinem Haus haben will!“ Das war ein anderer Schriftgelehrter.
„Vielleicht weiß er es ja. Er nennt Jahwe schließlich seinen Vater.“
„Aber wieso ist Jesus plötzlich gegen uns? Ich dachte, er ist wie wir!“, empörte sich ein Mann.
Eine Frau meinte: „Ich habe ihn noch nie so wütend gesehen! Der ist ja völlig ausgerastet!“
„Vielleicht hatte er ja einen schlechten Tag“, überlegte ein anderer.
Ein Händler entgegnete: „Aber das kann er doch nicht an uns und am Tempel auslassen!“
„Der Tempel soll nur zum Beten da sein? Das geht aber zu weit! DA ist Jesus zu streng!“, erklärte eine weitere Frau.
„Na ja, vielleicht hatte er ja von Gott den Auftrag zu dieser Aktion. Denkt mal an manche Propheten! Die waren schließlich auch ganz schön streng und der Prophet Jeremia hat fast dasselbe gesagt wie Jesus - und zwar in Gottes Auftrag, als Spruch des Herrn!“
„So ein Quatsch! Schließlich verkaufen wir hier doch Tiere um sie dann Gott zu opfern! Das ist doch genau richtig! Schließlich gibt es keinen anderen Ort, wo wir diese Tiere kaufen und verkaufen können.“
So und ähnlich sprachen alle Menschen, die ich im Tempel traf. Niemand oder fast niemand war dabei, der ein gutes Wort für Jesus einlegte.
Die Stimmung, die beim Einzug in Jerusalem so gut war, war ganz plötzlich anders geworden und die Menschen schimpften auf den, den sie vorher bejubelt hatten.
Ich war nur froh, dass Jesus so schnell verschwunden war. Wer weiß, was sonst mit ihm passiert wäre!