„Lichter?“, werdet ihr fragen.

„Wieso Lichter? War der Garten denn so berühmt, dass auch in der Nacht Leute kamen und ihn besuchten?“

Nein, das war es nicht. Diese Lichter gehörten zu – ihr werdet es kaum glauben – zu der Tempelpolizei oder etwas Ähnlichem. Auf jeden Fall kamen die Männer um Jesus zu verhaften. Bei ihnen war Judas, der Freund, der Jesus verriet.

Ich hielt den Atem an und drückte mich eng an einen Baum um nicht gesehen zu werden. Was mochte jetzt geschehen?

Judas näherte sich Jesus und mit ihm alle anderen. Aber obwohl ich mich reckte und streckte konnte ich aus meinem Versteck heraus nicht erkennen, ob er – wie es in der Bibel steht – Jesus einen Kuss gab oder nicht. Wenn es so war, finde ich das besonders schlimm. Einen Kuss gibt man schließlich nur jemandem, den man mag, jemandem, dem man etwas Gutes will. Jemanden mit einem Kuss zu verraten, ist genau das Gegenteil und damit doppelt schlimm.

Zwar konnte ich nicht erkennen, was Judas tat, doch sah ich wie die Soldaten Jesus ergriffen.

Dabei gab es ein kleines Handgemenge, d. h. einen kleinen Kampf. Da! Blutete nicht einer der Soldaten am Ohr? Er war offensichtlich verletzt worden. Wie schlimm es war, konnte ich aber nicht feststellen. Ich hörte nur wie Jesus sagte, dass er nicht mit Gewalt verteidigt werden wollte und dachte: „Das ist typisch Jesus - so wie man ihn aus der Bibel kennt. Auch, wenn er gegen manche Sachen war, die die Menschen gesagt und gemacht hatte, war er nicht gegen die Menschen. Hat er nicht auch gesagt, dass wir unsere Feinde lieben sollten?“

Zwar konnte und kann ich mir nicht vorstellen wie das möglich sein soll, aber Jesus tat wieder nur das, was er gesagt hatte.

Achtung! Beinahe hätte ich wieder etwas verpasst! In letzter Sekunde bekam ich noch mit, dass Jesus fragte, warum man ihn hier im Garten und in der Nacht gefangen nehmen würde und nicht im Tempel, wo er doch jeden Tag war?

Stimmt eigentlich! Einfacher wäre seine Gefangennahme gewesen, wenn man Jesus im Tempel verhaftet hätte. Aber ich dachte mir, dass dann vielleicht einige Menschen etwas dagegen gehabt hätten und vielleicht hatten die mächtigen Männer im Tempel Angst davor. Keine Ahnung, ob das stimmt!

Aber das war jetzt ja auch egal. Hier jedenfalls waren die Soldaten im Vorteil. Sie hatten nur Jesus und seine engsten Jünger vor sich und die Jünger, die waren verschlafen und müde und zählten nicht.

Außerdem – wo waren sie eigentlich? Als Jesus abgeführt wurde, konnte ich keinen von ihnen mehr sehen. Sie waren einfach weggelaufen. Weggelaufen wie Feiglinge! Sie waren alle Feiglinge!

Doch dann fiel es mir ein – eigentlich sollte und musste ich ganz still sein. Schließlich versteckte ich mich auch hinter einem Baum um nicht gesehen zu werden! Also war auch ich feige.

Darum frage ich euch: Waren die Jünger wirklich alle Feiglinge? Sicher, sie liefen weg und ließen Jesus allein, ganz allein. Aber irgendwie kann man sie ja auch verstehen. Sie waren überrascht worden, völlig überfordert und hatten Angst auch gefangen genommen zu werden. Überlegt euch einmal, was ihr machen würdet, wenn einer eurer Freunde plötzlich von vielen anderen angegriffen würde. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere von euch dann auch weglaufen würde. Ich jedenfalls würde es tun – auch, wenn ich mich hinterher dafür schämen müsste.

Also: Die Männer nahmen Jesus mit und ich folgte ihnen heimlich.

Nach einer Weile bemerkte ich noch eine Person, die heimlich folgte. Wer mochte das nur sein? Insgeheim nahm ich mir vor, später genauer nachzuforschen – wenn wir nämlich an unserem Ziel angekommen waren.

Bis dahin musste ich genau aufpassen um Jesus und die Männer, die ihn gefangen genommen hatten, nicht aus den Augen zu verlieren.