Schließlich kamen wir an unserem Ziel an.

Da ich nicht genau wusste, wo wir waren, fragte ich jemanden, der im Hof dieses Hauses war. Ich erfuhr, dass Kajaphas hier wohnte und auch andere Mitglieder des Hohen Rates hier waren. Sie wollten Jesus sehen und sprechen, bevor er vor den Hohen Rat musste.

Kajaphas? Hoher Rat? Ich verstand nur Bahnhof und hatte wohl lauter Fragezeichen auf der Stirn. Darum wurde mir auch gleich erklärt, worum es hier ging und jetzt will ich versuchen, euch weiterzugeben, was ich erfuhr. Aber bitte seid mir nicht böse, wenn es mir nicht so ganz gelingt. Also los: Kajaphas ist bzw. war ein Name. Es war der Name eines mächtigen Mannes, nämlich des Hohepriesters. Das war der oberste aller Priester, die es im Tempel gab. Er war auch der Vorsitzende, d. h. der Chef des Hohen Rates.

Und Hoher Rat? Das war das oberste Gericht der Juden. Zum Hohen Rat gehörten Männer, die das Volk gewählt hat. Diese Männer nannte man Älteste. Dann gehörten dazu die Pharisäer. Das waren meistens Handwerker, Kaufleute oder Bauern, die zwar keine Priester waren und nicht im Tempel arbeiteten, aber doch besondere Aufgaben hatten: Sie leiteten die Synagogen, das sind die Kirchen der Juden, die Gottesdienste, sie sorgten für Ordnung, waren Richter, unterrichteten die Jungen und lasen viel in der Thora. Deshalb nannte man sie auch Schriftgelehrte. Außerdem erinnerten sie die Menschen immer an die Gesetze.

Weiter gehörten die Sadduzäer zum Hohen rat. Das waren meistens Männer aus reichen und vornehmen Familien. Viele von ihnen waren Priester. Sie bestimmten, was im Tempel und im Rat geschehen sollte. Weil sie aber mit den Römern zusammenarbeiteten, waren sie nicht sehr beliebt.

So, das war´s. Ist euch jetzt alles klar? Mir war zwar immer noch nicht alles klar, aber das Wichtigste wusste ich nun: Dass der Hohe Rat das oberste Gericht und Kajaphas der Chef war.

Zu diesem Kajaphas wurde Jesus also gebracht. Was er mit ihm dort im Haus besprach, bekam ich leider nicht mit. Ich hatte nämlich keine Gelegenheit mich anzuschleichen und musste draußen im Hof bleiben.