Ach ja, Jesus war also verurteilt worden und zwar zum Tod am Kreuz.

Wieso am Kreuz? Das fragte ich mich. Wieso wurde er nicht einfach geköpft, erstochen oder – ich weiß auch nicht, was.

Da ich es aber wissen wollte, fragte ich nach und erfuhr, dass die Kreuzigung die Strafe für besonders schwere Verbrechen war. Gekreuzigt zu werden, war das Schlimmste, was einem passieren überhaupt konnte. Es war brutal und dauerte lange – sehr lange.

Vor der Kreuzigung jedoch kam noch etwas anderes – kaum wage ich es zu sagen: die Geißelung.

Das klingt sicher ganz harmlos, schließlich hören wir jedes Jahr: Jesus wurde gegeißelt und gekreuzigt. Aber ich kann euch sagen, dass es gar nicht harmlos war und eigentlich möchte ich gar nicht daran denken und erst Recht nicht davon sprechen.

Doch ihr seid jetzt schon den ganzen Weg mit mir gegangen und habt alles erfahren, was ich gehört und gesehen habe, da darf ich euch nichts verschweigen. Also werde ich mich nun zusammenreißen, tief Luft holen und berichten. Seid aber nicht enttäuscht, wenn ich manche Sachen nur kurz wiedergebe oder manchmal abschweife und über andere Sachen rede. Es geht einfach nicht anders.

Pilatus hatte Jesus also verurteilt. Dabei weiß ich gar nicht, ob er gesagt hatte, dass Jesus gekreuzigt werden sollte oder ob er ihn einfach den Soldaten übergeben hatte.

Auf jeden Fall führten diese Jesus ab. Sie brachten ihn aber nicht weit weg, denn jeder sollte sehen, was sie mit ihm machten. Dann nahmen sie eine Peitsche, in der mehrere Steine steckten und schlugen ihm damit auf den bloßen Rücken. Das nennt man geißeln. Könnt ihr euch so etwas vorstellen?

Ich konnte es nicht und möchte so etwas auch nie mehr sehen oder auch nur davon erfahren. Dabei zu sein war schon schlimm genug, aber wenn ich mir vorstelle, dass das mir passiert wäre! Ich glaube, ich hätte es nicht ausgehalten!

Aber halt, stopp! Es gibt doch auch heute und bei uns viele Menschen, die jeden Tag gequält werden: Erwachsene und Kinder. Manche werden ebenfalls geschlagen. Manche werden in Gefängnisse gesteckt. Manche werden mit Worten gequält. Manche werden erpresst. Manche …

All dies sieht manchmal für die Zuschauer ganz schlimm aus, aber manchmal wirkt es auf den ersten Blick gar nicht so schlimm. Zum Teil merken es andere nicht einmal, weil es ganz versteckt gemacht wird. Aber für den, der gequält wird, ist es immer schlimm – egal, ob es zu Hause, auf dem Schulhof, in einem fremden Land oder wo auch immer ist. Es ist einfach nur schlimm.

Kennt ihr auch solche Situationen? Wie geht es euch dabei? Wenn ihr gequält wurdet, ging es euch sicher nicht anders als Jesus damals.

Aber zurück zu Jesus. Die Soldaten schlugen so lange auf ihn ein bis sie keine Lust mehr hatten – oder nicht mehr konnten. Das kann ich nicht so genau sagen.

Neben mir stand ein Mann und schimpfte: „Diese Römer! Sie geißeln einen so lange wie sie wollen! Manchmal stirbt man sogar schon dadurch. Wir geißeln zwar auch, aber doch nicht so!“

„Wie denn?“, wollte ich wissen.

„Bei uns steht fest, wie oft jemand geschlagen wird. Ich glaube, es ist 39 Mal. Häufiger wird niemand geschlagen.“

Na, ihr könnt euch ja denken, dass ich das auch nicht viel besser fand. Aber ich sagte nichts. Ich konnte auch nichts mehr sagen, weil ich einen dicken Kloß im Hals hatte. Ich mochte auch nicht mehr zuschauen und ging daher ein Stücke weg.