Nachdem ich mich ein wenig erholt hatte, näherte ich mich ganz langsam und ängstlich wieder. Was würde ich jetzt wohl sehen?

Zunächst sah ich gar nichts – nur einige Soldaten, die sich unterhielten: „Das geschieht diesem Jesus ganz Recht! Er ist doch ein Aufschneider! Der soll ein König sein? Dem haben wir es aber gegeben! Habt ihr gesehen, wie er aussah, als wir ihm den roten Mantel umgehängt, die Dornenkrone aufgesetzt und en Stock in die Hand gedrückt haben? Ganz schön lächerlich. Und so etwas will ein König sein! Es ist nur schade, dass er sich nicht gewehrt und nichts gemacht hat. Das hat mir den Spaß ein bisschen verdorben.“

Ich schüttelte mich und war froh, dass ich das nicht gesehen hatte. Obwohl – auch das hatte ich schon oft erlebt: Wie jemand ausgelacht und verspottet wurde. Ich denke, ihr kennt das auch. Vielleicht habt ihr dabei auch mitgemacht, habt jemanden ausgelacht, allein oder zusammen mit anderen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es durchaus schon getan habe.

Dabei habt ihr bestimmt gemerkt, dass so etwas besonders viel „Spaß“ macht, wenn ihr es zusammen mit Freunden tut. Dann habt ihr euch sicher besonders – ja, wie habt ihr euch eigentlich gefühlt? Stark? Groß? Schwach? Klein? Und warum habt ihr – und ich – eigentlich jemand anderen ausgelacht? Aus Ärger über den anderen? Aus Neid und Eifersucht? Weil er besser oder schlechter, größer oder kleiner, stärker oder schwächer, einfach anders war? Ich glaube, ich kann einfach nicht alle Gründe aufzählen, aber bestimmt fällt euch noch mehr dazu ein.

Vielleicht aber seid ihr auch schon einmal für etwas ausgelacht oder verspottet worden und habt euch dabei ganz klein und allein gefühlt – ohne Freunde, die euch helfen. Was habt ihr in einer solchen Situation getan? Habt ihr euch alles gefallen lassen – so wie Jesus? Vielleicht, weil ihr gedacht habt, dass die anderen Recht haben? Oder habt ihr euch gewehrt? Wie? Was passierte dann? Vielleicht hattet ihr aber auch Freunde, die euch geholfen haben und für euch da waren. Dann kann ich nur sagen: Ihr Glücklichen!

Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf und ich muss sagen, ich schämte mich, wenn ich daran dachte, dass ich auch mitgemacht hatte, wenn jemand ausgelacht wurde.