Also lief ich wie schon so oft durch Jerusalem und hielt nach ihnen Ausschau.

Auf einmal sah ich zwei Männer näher kommen. Ich schaute sie mir an und stutzte: Nanu, die kannte ich doch! Hatte ich sie nicht bei Jesus gesehen, als er in Jerusalem einzog? Hier bot sich mir eine neue Chance etwas zu erfahren. Darum sprach ich sie mutig an: „Wisst ihr bereits, was mit Jesus geschehen ist?“ Daraufhin lachten sie mich froh an und erwiderten: „Ja, wir wissen es! Jesus lebt! Wir sind so froh! Jesus lebt! Er ist nicht mehr tot!“

„Als erstarb, waren wir traurig und mutlos. Deshalb wollten wir weg von Jerusalem – nur weg. Wir wollten nach Hause gehen, weil wir dachten, dass jetzt alles vorbei ist. Was sollten wir noch in Jerusalem – allein, ohne unseren Rabbi? Also gingen wir los.“

„Unterwegs trafen wir einen Mann, der uns fragte, was los ist. Wir erzählten es ihm und er – er erklärte uns, warum alles passiert war.“

„Dann nahmen wir ihn mit und gingen in eine Herberge in Emmaus. Der Mann blieb bei uns und brach das Brot. Können Sie sich vorstellen, dass wir ihn erst jetzt erkannten?“

„So wie der Mann bricht nur einer das Brot! Jesus! Wir merkten, dass er es war. Wirklich!“
„Leider ist er dann aber verschwunden. Aber wir, wir gehen jetzt erst einmal zu den anderen. Wir müssen ihnen erzählen, dass Jesus lebt. Darüber werden sie froh sein! Genauso froh wie wir! Jetzt wissen wir, dass noch nicht alles zu Ende ist.“

Damit gingen die beiden weiter.

Und ich? Ich freute mich auch mit ihnen! Dann wollte ich ihnen folgen – zu den anderen Jüngern. Ich wollte doch wissen, wie es ihnen ging.

Da aber hörte ich, dass sich mein Flugzeug näherte. Mist! Ausgerechnet jetzt, wo Jesus von den Toten auferstanden war, ausgerechnet jetzt, wo sich alles änderte, musste ich weg. Leider aber half nichts. Ich musste einsteigen.

Dabei hätte ich gerne noch erlebt, wie es mit den Jüngern weiter ging. Wie würden der Tod und die Auferstehung Jesu ihr Leben verändern? Wie würden sie die Botschaft ihres Herrn weitergeben? Wie würden sie miteinander und mit anderen umgehen? Wie …?

Als ich dann im Flugzeug saß, schwirrte mir der Kopf von dem, was ich erlebt hatte. Um ehrlich zu sein: Der Kopf schwirrt mir auch jetzt noch. Es war einfach zu viel, was ich gesehen, gehört und mitgemacht hatte.

Wenn ihr mich nun fragt, ob ich noch einmal nach Israel reisen will, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht. Vielleicht.

(Rita Mertens, 2001 im Rahmen einer Unterrichtseinheit entstanden)