28.09.2019

Liebe Schwestern und Brüder,

 

es entspricht einem langen Brauchtum, wenn in unserer Kirche das Erntedankfest in feierlichem Gottesdienst begangen wird und wenn hierfür eine prächtige Auswahl an Erzeugnissen der Landwirtschaft vor dem Altar aufgestellt wird: Gemüse und Früchte, Brot und Blumen, viele Gaben der Natur und unseres Fleißes. Denn so betet der Priester bei jeder Gabenbereitung in der Eucharistiefeier: „Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit.“

Aber solchen Erntedank feiern wir keineswegs in der romantischen Stimmung nostalgischer Erinnerung früherer Zeiten, als noch überwiegend Landwirtschaft betrieben wurde. Zwar stammt das Erntedankfest aus der frühen Kultur agrarwirtschaftlicher Gesellschaften, aber wir feiern es in unserer modernen Industriegesellschaft mit neuem Sinn, inmitten hochtechnisierter Arbeitsabläufe, Kommunikationsprozesse und Managements.

Denn im Grunde bringen wir heute nicht bloß ein paar Naturprodukte vor den Altar des Herrn, sondern wir stellen unsere ganze Arbeitsleistung des Jahres – gleich in welchem Beruf und in welcher Tätigkeit – vor Gott und verantworten uns vor ihm für unser Schaffen und Arbeiten. Und dabei geht es um weit mehr, als bloß um zu danken, dass wir wieder einmal in Hülle und Fülle zu essen und zu trinken hatten und haben werden, nein, es geht um Rechenschaft darüber, wie wir unser Ernten und Arbeiten einordnen, beurteilen und von unserem Glauben her im Gewissen kontrollieren.

So wollen wir auch an diesem Erntedank-Sonntag Gott besonders danken für alle Wohltaten, die wir empfangen haben, für alles Gute und für seinen Beistand.

Herzliche Grüße, alles Gute für Sie und Ihre Familien,

 

Ihr W. Koch