Zwischen Danksagung und Bangen…


Es gilt den Gürtel enger zu schnallen.

Es lässt sich nicht mehr leugnen. Mit großen Schritten hält der Herbst bei uns Einzug. Anfang Oktober wird in vielen Gemeinden Erntedank gefeiert. In der Tat: trotz eines heißen Sommers kann ich mich über meine Apfel-, Pflaumen- und Tomatenernte nicht beklagen. Die momentane Weltlage überschattet aber in diesem Jahr vieles. Die Lebenshaltungskosten werden deutlich teurer. Die Energieversorgung und die damit verbundenen drastischen Preiserhöhungen machen Angst. Auch für uns in den einzelnen Gemeinden gibt es nicht einfach ein: weiter so. Es gilt nach Wegen zu suchen, wie wir Energie sparen können.

Mittlerweile hat das Erzbistum Paderborn Handlungsempfehlungen an alle Gemeinden geschickt mit der Aufforderung nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. Die Energiekosten sind in den Etats der Kirchengemeinden einer der sehr hohen Posten. Mit den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen werden wir in den nächsten Wochen nach Wegen suchen, wie wir gut durch den Winter kommen. Als Kirche müssen wir da ein Zeichen setzen. Wir alle werden unser Heizverhalten überprüfen müssen.

Bereits jetzt zeichnet sich ab:

  • Kirchengebäude sollen zukünftig nicht mehr am Abend von außen angestrahlt werden.
  • In den Pfarrheimen sind die Heizkörper nach Veranstaltungen herunterzudrehen. Flure werden nicht mehr geheizt.
  • Auf den Toiletten gibt es zum Händewaschen nur noch kaltes Wasser
  • Vor allem werden wir unsere Kirchengebäude nicht mehr in der bisherigen Weise heizen können. Stellen Sie sich auf niedrigere Temperaturen ein (was wir ja eigentlich in den letzten beiden Coronajahren schon hatten).
  • In den einzelnen Pfarreien soll geprüft werden, ob wir an Werktagen die hl. Messen nicht in Pfarrheimen feiern können. Diese sind schneller aufzuheizen als die Kirchen. In der Regel handelt es sich an Werktagen um eine kleine Gottesdienstgemeinde.
  • In Brakel werden wir überlegen müssen, wie wir die Kapuzinerkirche als einen kleineren besser zu beheizenden Raum mehr nutzen als die große Pfarrkirche St. Michael.

Wir müssen alle umdenken. Das fällt schwer, ist aber nicht der Untergang der Kirche.

Ein Mitbruder aus meinem Weihejahrgang war einige Jahre in unserem Partnerbistum Le Mans in Frankreich tätig. In Frankreich gibt es keine Kirchensteuer. Die Gemeinden haben deutlich weniger Geld zur Verfügung. Die Kirchen waren im Winter eigentlich immer kalt. Pfarrzentren wurden zu Gottesdienstorten.

Sicher werden wir in manchen Orten unseres Erzbistums auch ökumenisch denken müssen. Wo gibt es die gemeinsame Nutzung von Gebäuden durch katholische und evangelische Christen? Kreativität ist gefragt. Und Solidarität. Letztlich geht es um die Zukunft unserer Gesellschaft, um die Zukunft unserer Schöpfung und um die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Pfarreien.


Mit der Bitte um Mitgehbereitschaft,

 

Ihr Pfarrer      A. Kurte