In Erwartung….

Erwarten Sie etwas? Von Ihrem Chef? Von der Politik? Von der Kirche? Von einem guten Freund oder einer guten Freundin? Erwarten Sie vielleicht ein hohes Alter? Manchmal erwarten wir Dinge und werden dabei herb enttäuscht. Und warten können gerade ungeduldige Menschen nur sehr schlecht.

Der Advent ist eine solche Zeit der Erwartung. Adventszeit ist nicht Weihnachtszeit. Advent ist Vorbereitungszeit auf das Fest. Die vier Kerzen am Adventskranz erinnern uns daran. Im Gottesdienst ist die liturgische Farbe violett- nicht das weiß der Freude, sondern eine Farbe der Buße und Vorbereitung. Und auch in den Texten der hl. Messe im Advent finde ich den Gedanken der Erwartung. So z. B. beim alttestamentlichen Propheten Jesaja der schreibt: (Jesaja 35, 3–10)

„3 Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!
4 Sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.“
5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.
6 Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.
7 Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.
8 Und es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren.
9 Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.
10 Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“

Was für eine Erwartung, was für eine Hoffnung! Gott kommt, die Erwartung auf dieses Ereignis will der Prophet wecken, auch bei Müden und Gebeugten, die voller Angst sind und weiche Knie haben, ihnen allen ruft der Prophet zu: „Seid getrost, fürchtet euch nicht, da ist euer Gott.“

Das Volk Israel hatte eine schwere Zeit hinter sich, ein lange währendes Exil in Babylon. Die Folgen der Gefangenschaft, die schlechten Erfahrungen und die Angst ließen die Rückkehrer nicht los, sie lähmten sie.

Sie konnten nicht mehr über die Mauern ihrer Unterdrückung und Demütigung im fremden Land blicken. Das Elend war für sie zur einzigen Wirklichkeit geworden.

Wie ermutigt man Menschen, die so müde geworden sind, dass sie nichts mehr erwarten? Menschen, die all ihre Spannkraft verloren haben, weil ihre Hoffnungen immer wieder enttäuscht wurden? Lieber keine Erwartungen mehr als neue Enttäuschungen, so heißt dann die Klugheitsregel. Es bleibt doch alles beim Alten. In diese Situation hinein ruft der Prophet: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt und wird euch helfen.“

Eine gesegnete Vorbereitungszeit auf Weihnachten wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer      A. Kurte