25.09.2021

Erntedank

Erntedank heißt: Gott, dem Schöpfer und Herrn der Welt danken für die Ernte des Jahres, für die Früchte der Erde, für alles, was uns die Natur so reichlich bietet an Nahrung aller Art; danken aber auch für die Schönheit der Schöpfung, für die Schönheit der Blumen, Bäume, Landschaften.

Das Erntedankfest ist ein Zeichen gegen die Gedankenlosigkeit, mit der der moderne Mensch in die vollen Regale der Supermärkte greift in der Meinung, das alles sei selbstverständlich. Das ist es aber nicht. Wir wissen, dass viele Millionen Menschen auf unserem Globus hungern, kaum das Nötigste zum Leben haben, von Katastrophen heimgesucht werden, die ihnen alle Lebensgrundlagen nehmen. Und die Älteren unter uns können sich selbst noch an Zeiten erinnern, als das tägliche Brot keineswegs selbstverständlich war, sondern ein großes Glück.

So haben wir allen Grund, Gott zu danken für seine Gaben und ihn zu bitten für die notleidenden Menschen und die bedrohte Schöpfung. Christus verweist oft auf die Natur, wenn er das Reich Gottes veranschaulicht. – "Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen!" (Mt 6,28) Nehmen wir uns diese Weisung zu Herzen und fragen uns einmal, was wir vom Garten lernen können:

Geduld

„Der Bauer wartet geduldig auf die Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis der Regen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein" (Jak 5, 7;8). Ungeduld hat in der Gartenarbeit keinen Platz. Die Pflanzen wachsen nicht schneller, wenn man ungeduldig an ihnen zupft.

Man muss das Wachsen und Reifen der Pflanzen, das seinem eigenen Gesetz folgt, abwarten. Und eben das ist Geduld. – "Geduld besteht darin, dass wir einem bestimmten Prozess des Wachsens und Heranreifens vertrauen" (Gabriel Marcel).

Alles im Leben braucht seine Zeit. Wer Geduld hat, wer warten kann – im Vertrauen auf Gottes Führung und Vorsehung – der ist stark. "Alles erreicht die Geduld", sagt die hl. Teresia von Avila.

Dankbarkeit

Der Garten ist dankbar. Dankbarkeit vom Garten lernen: Dass auch wir denen, die für uns da sind, Freude zurückschenken; dass wir dort, wo wir leben, ein wenig Licht verbreiten, Sonnenschein ausstrahlen, Wärme und Güte mitteilen. Gerade unsere unterkühlte Zeit dürstet danach.

Sorglosigkeit

Ihr braucht euch keine Sorgen um euer Leben zu machen. – Ihr könnt’s im Grunde auch gar nicht. Denn ihr könnt euch das Leben nicht selbst besorgen. Leben ist in jeder Sekunde Geschenk von Gott.

Geduld – Dankbarkeit - Sorglosigkeit – Haltungen, die auch in der pastoralen Tätigkeit in unseren Gemeinden wichtige Haltungen sind. Wir sind nicht die Macher der Gemeinden und der Kirche. Wir sind Gottes Mitarbeiter/innen. Seine Botschaft gilt es freigebig auszusähen.

Das ist unsere Aufgabe auch in unserer Zeit. Wissend: einiges fällt auf steinigen Boden, anderes auf Dornen und Disteln, anderes auf guten Boden und bringt reiche Frucht. Wir sollten die Gelassenheit nicht verlernen - auch in dieser Zeit der massiven Umbrüche in unserer Kirche. Wir sind Gottes Mitarbeiter/innen. Er aber lässt es wachsen.

Ihr Pfarrer

Andreas Kurte