Liebe Schwestern und Brüder,

der Monat November ist dem Totengedenken gewidmet. Ein Blick in die herbstliche Natur legt es uns nahe. Wir sehen und spüren die Vergänglichkeit. Im Novembermonat gehen wir auf Friedhöfe, beten für unsere Toten, segnen die Gräber. Unser Leben ist der Vergänglichkeit unterworfen.

Am 1. November feiern wir ein großes Fest, das Fest aller Heiligen, das Fest unzählig vieler Menschen, die auf dieser Welt gelebt haben und durch ihren Tod bei Gott angekommen sind, das Fest der unzählig vielen Kinder Gottes, die heimgekehrt sind zum Vater im Himmel. Ein großer und ein froher Festtag! Und das ist gut so, denn hinter aller irdischen Vergänglichkeit und allem Todesschicksal steht die Verheißung, dass das Leben der Kinder Gottes nicht am Tod scheitert, sondern fortdauert in alle Ewigkeit.

„Wir heißen Kinder Gottes und sind es“, so sagt uns der Verfasser des

1. Johannesbriefes (3, 1). Warum? Weil Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er uns Jesus Christus in die Welt gesandt hat, damit wir ewiges Leben haben. Diese übergroße Liebe Gottes ist uns geschenkt worden, sie begegnet uns in Christus, im gekreuzigten und auferstandenen Erlöser.

Wenn wir Kinder des Vaters im Himmel sind, ist Jesus unser Bruder. Als Schwestern und Brüder Jesu sind wir unterwegs nach Hause, zum Haus des Vaters, zum Himmel. In den Beschwernissen unseres Weges durch die Zeit, in den Nöten und Sorgen des Alltags, angesichts aller Vergänglichkeit und des Todesschicksals sind wir immer in der Gefahr, unser Ziel aus den Augen zu verlieren, eben den Himmel, wo unsere Verstorbenen bereits angekommen sind und als Heilige ewig leben.

Wenn wir Kinder Gottes beim Vater im Himmel sind, werden wir ihm ähnlich sein, Glück und Freude erfahren ohne Ende. Das ist unsere Hoffnung. Das ist uns verheißen.

Ein wenig aber von dieser Freude, von dieser Erwartung, von dieser Hoffnung müsste aufleuchten durch uns – sozusagen in unseren Gesichtern. Durch uns kann das Leuchten der Gegenwart Gottes und seiner Verheißungen der Welt sichtbar werden. Mitten hinein in das Dunkel einer vergänglichen Welt müssten wir, die wir Kinder Gottes heißen und sind, das Licht Christi leuchten lassen: durch unseren Glauben, durch unsere Hoffnung und durch unser Lieben.

Der Monat November beginnt mit dem frohen Allerheiligenfest. Dieses Fest ist sozusagen wie ein Wechselgesang, der immer wiederholt wird. Es ist der Leitgedanke des ganzen Monats. Unser Totengedenken, unser Beten für die Toten und die Mahnung an den eigenen Tod sind nicht dunkel und düster. In uns und um uns erstrahlt das Licht der Verheißung.

Allerheiligen – das sagt uns, dass alle Gotteskinder Heilige Gottes werden. Lasst uns in dieser Zuversicht im Monat November leben.

Liebe Schwestern und Brüder, zu den Gottesdiensten an Allerheiligen und Allerseelen lade ich Sie ganz herzlich ein.

Ihnen und Ihren Familien alles Gute, viel Kraft, auch im Namen des Teams und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

Ihr W. Koch