Maria Maienkönigin…

Die Feier von Maiandachten im Marienmonat Mai, der besondere Blumenschmuck eines Marienbildes in der Kirche ("Maialtar") sind typische Ausdrucksformen katholischer Marienfrömmigkeit.

Die Wurzeln dieses Brauchtums, das seinen Höhepunkt im Zeitraum zwischen 1850 und 1950 hatte, reichen teilweise weit zurück und sind sehr vielschichtig. Vorchristliches Frühlingsbrauchtum wurde durch verschiedene christliche Feiern aufgegriffen. Ursprünglich war das "Maigebet" eine Bitte um eine gute Ernte, ähnlich wie heute noch die Flurprozessionen ("Bitt-Tage") den Segen für die Felder und Früchte in dieser Jahreszeit erbitten. Ausgehend von Italien, Frankreich, Schweiz und Österreich verbreitete sich die marianisch geprägte Maiandacht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland.

Sie wurden verbunden mit "Maipredigten", die den Stellenwert dieser Andachten hervorhoben. Die Maiandachten und die Maipredigten förderten darüber hinaus die marianische Volksfrömmigkeit, durch die in den Menschen eine emotionale Schicht erreicht wurde. Die Blumen und Blüten symbolisieren Maria in ihrer Gnadenfülle; sie wird als "die schönste Blume" besungen. Der Bezug von Marienmonat und Frühling wird in Ländern der südlichen Halbkugel der Erde dadurch zum Ausdruck gebracht, dass der besondere Marienmonat nicht im Mai, sondern im dortigen Frühling, also im November gefeiert wird und oft mit dem hohen Marienfest am 08. Dezember endet.

Bereits im Mittelalter gab es den Brauch, bestimmte religiöse Inhalte einen Monat lang in den Vordergrund zu stellen und so diese Frömmigkeit einzuüben. So gab es z. B. den "Frauen-Dreißiger" vom 15. August bis zum 14. September. Der Monat Juni ist besonders der Verehrung des Herzens Jesu, der September ist der Schutzengelmonat, der Mai und der Oktober haben einen besonderen marianischen Charakter, der November ist der Totenmonat. Das marianische Brauchtum im Mai hat sich im Volk Gottes entwickelt; es wurde teilweise durch Ordensgemeinschaften (z.B. die Jesuiten) sehr gefördert. Frühling und Blüten wurden als Hinweis auf Maria geistlich gedeutet. Während die großen Marienfeste mehr punktuelle Anlässe sind, wird durch den Marienmonat Mai die marianische Frömmigkeit kontinuierlich eingeübt und vertieft.

Neben Maiandachten in der Kirche oder an Wallfahrtsorten war und ist die Maiandacht eine häusliche Feier. Das Marienbild wurde besonders geschmückt, wobei besonders die Kinder dazu angehalten werden, die Blumen zu sammeln und so Maria, "die schönste Blume" zu ehren. Für die dieses – meist tägliche - Hausgebet gab es zahlreiche Kleinschriften, die z. T. von bekannten Heiligen und Autoren verfasst waren (z. B. von Vinzenz Pallotti, Johannes Bosco, John Henry Newman.). Die Gläubigen wurden angeleitet, die häusliche Maiandacht täglich zu feiern, besonders an den Tagen, an denen sie nicht in der Kirche am Gottesdienst bzw. der Maiandacht teilnehmen konnten.

Vielleicht schauen Sie einmal bei sich zu Hause nach ob Sie ein besonderes Marienbild haben. Im Mai kann dieses Bild der Anstoß sein, hier täglich ein kurzes Gebet zu sprechen. Früher war es um 12.00 Uhr und am Abend, wenn die Kirchenglocke läutete üblich, den „Engel des Herrn“ zu beten:

 

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft,
und sie empfing vom Heiligen Geist.
Gegrüßet seist du, Maria,...

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort.
Gegrüßet seist du, Maria,...

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter
uns gewohnt.
Gegrüßet seist du, Maria,...

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, damit wir würdig
werden der Verheißung Christi.

Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Herzliche Grüße,

Ihr Pfarrer      A. Kurte