23.10.2021

 

Allerheiligen contra Halloween

Die Entwicklung aus dem anglo-amerikanischen Raum den „All Hallows Eve“ also den Vorabend von Allerheiligen mit eher düsteren, gespenstischen und an den Tod erinnernden Kostümen zu feiern findet auch bei uns immer mehr Zuspruch.

Allerheiligen ist aber alles andere als ein düsteres Fest. Im Laufe der ersten christ-lichen Jahrhunderte wurde es wegen der steigenden Zahl von Heiligen unmöglich, jedes Heiligen an einem besonderen Tag zu gedenken. Bereits im 4. Jahrhundert gab es in den östlichen Kirchen einen „Herrentag aller Heiligen“. In Rom weihte Papst Bonifatius IV. im 7. Jahrhundert das heidnische Pantheon was als Gebäude noch heute zu bewundern ist der Jungfrau Maria und „allen Märtyrern“ und ordnete eine jährliche Feier an. Papst Gregor III. weihte über 100 Jahre später eine Kapelle in St. Peter in Rom allen Heiligen und legte den Feiertag auf den 1. November. Dieser Tag als Fest Allerheiligen wurde 835 für die gesamte Weltkirche festgelegt. Ausgehend von der französischen Abtei Cluny wird seit dem 10. Jahrhundert am 2. November zusätzlich mit Allerseelen ein Gedenktag für die Verstorbenen gehalten.

Allerheiligen ist somit ein Fest, an dem eben aller Heiligen gedacht wird - auch solcher, die nicht heiliggesprochen wurden - sowie der vielen Heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott allein. Oft wird das Wort heilig mit einer wenig geerdeten Lebensweise oder gar mit Scheinheiligkeit verbunden. Die unterschiedlichen Heiligenbiographien zeigen mir, wie vielfältig Christusnachfolge aussehen kann, mal eher im Einsatz für den Nächsten wie bei Elisabeth von Thüringen oder Vinzenz von Paul, mal in einem deutlichen Bekenntnis zu Christus in Zeiten der Verfolgung wie bei Maximilian Kolbe oder Bischof Galen, mal im intensiven Gebet wie bei Theresia von Avila oder Hildegard von Bingen.

Doch eines haben alle gemeinsam: die Quelle ist für sie die intensive Christus-beziehung. Sie ist es, die diese Männer und Frauen befähigt hat, ein Leben aus dem Glauben zu führen. Eine für mich griffige Deutung von Heiligkeit finde ich bei Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstattgemeinschaft. Er sagt einmal: Heiligkeit besteht in dem Mut, jeden Tag neu anzufangen.

Das heutige Allerheiligenfest ist für mich die Einladung ausgehend von den Heiligen-biographien einmal darüber nachzudenken, welche Form der Christusnachfolge mich besonders anspricht. Es ist die Einladung, die eigene Christusbeziehung neu zu bedenken, zu gestalten und zu pflegen und das jeden Tag neu.

Ihr Pfarrer

Andreas Kurte