Hallo,

ich bin es wieder – Gloria, die Kirchenmaus. Nachdem ich euch etwas über die „normale“ Messe erzählt habe, berichte ich euch heute und in den nächsten Tagen über ein paar Besonderheiten. In besonders festlichen Gottesdiensten wird z. B. Weihrauch benutzt.

Weihrauch ist das Harz aus dem Weihrauch-Baum, welches zum Räuchern im Gottesdienst verwendet wird. Harz ist getrockneter Wundsaft. Mein Urururururururururururururururgroßvater, der sehr reiselustig war, hat sich einmal in das Gepäck von einem Pastor geschmuggelt und ist mit ihm auf eine weite Reise in den Nahen Osten gegangen. Dort hat er dann beobachtet wie das mit der Weihrauchernte war. Es gibt ungefähr 25 Sorten des Weihrauchbaumes. Sie sind klein und sehen – so mein Urururur – ihr wisst schon –großvater – nach nichts Besonderem aus. Die Bäume wachsen in Trockengebieten Südarabiens, Nordostafrikas und Vorderindiens auf karger, kalkhaltiger Erde. Die Weihrauchernte dauert von April bis Oktober. Durch Schnitte in Stamm und Äste tritt Gummiharz aus, das zwei bis drei Wochen trocknen muss, bevor es geerntet werden kann. Die erste Ernte ist nicht so viel wert. Hier treten dunkle, wenige Millimeter große Harztropfen aus. Später wird das Harz der weiteren Ernten reiner und heller und die Tropfen bis zu einem Zentimeter groß. Das fast weiße Harz der letzten Ernte hat einen schweren zitronigen Duft. Jeder Baum kann jährlich bis zu zehn Kilo Harz geben. So hat mein Ururururururururururururur-ururgroßvater es berichtet und so wird es seitdem in unserer Familie weitererzählt. Aber wozu braucht man überhaupt Weihrauch? Manche Leute rufen – sobald sie sehen, dass in der Messe Weihrauch benutzt werden soll – „Iiiiiih!“. Manche – besonders Messdiener – bekommen Husten- und Schwindelanfälle, ja, kippen sogar mal um. Einmal habe ich erlebt wie ein Messdiener sich erst ein paar Mal um sich selbst drehte, bevor er umfiel. Das sah so echt lustig aus – so als ob er tanzen wollte. Zum Glück ist ihm nichts passiert, denn bevor er am Boden lag, fing ihn ein Mann auf, der schnell zu ihm hingerannt war.

Andere freuen sich und mögen den Duft und finden, dass er Medizin ist, die bereits die alten Ägypter, Griechen und Römer nutzten. Wa stimmt, ist: Weihrauch besteht aus Schleimstoffen, Harzsäuren und ätherischen also duftenden Ölen. Einige wirken gegen Entzündungen; bei anderen vermutet man, dass sie die Angst lösen.

Weihrauch wird übrigens schon lange in den Gottesdiensten benutzt. Schon die alten Ägypter verbrannten Weihrauch für kultische Zwecke – genauso wie jüdische Priester ab etwa 540 v. Christus und die antiken Römer bei ihren Götter-Opfern und beim Kaiserkult. Zuerst wollten die Christen den Weihrauch deshalb nicht benutzen – außer bei Begräbnissen. Doch später – seit dem 4. Jahrhundert – zog der Weihrauchduft mehr und mehr ins Christentum ein: Beim Einzug von Bischöfen, gingen Leuchter- und Rauchfassträger voran. Seit dem 9. Jahrhundert – also seit über 1100 Jahren – wird der Weihrauch wie heute benutzt.

Symbolisch steht er für Reinigung, Verehrung und Gebet. Im Psalm steht: „Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf" (141,2) und in der Offenbarung kann man lesen: „Und ein anderer Engel kam und trat mit einer goldenen Räucherpfanne an den Altar; ihm wurde viel Weihrauch gegeben, den er auf dem goldenen Altar vor dem Thron verbrennen sollte, um so die Gebete aller Heiligen vor Gott zu bringen. (Offb 8,3). Weihrauch ist daher ein Zeichen der Gegenwart Gottes und des Wehens des Heiligen Geistes.

Weihrauch zu benutzen macht vielen Messdienern besonders viel Spaß. Dazu benötigen sie ein Weihrauchfass und ein Schiffchen.

Das Weihrauchfass ist ein Gerät zum Beweihräuchern im Gottesdienst, das Schiffchen (lat. navicula) ist ein Gefäß, in dem der Weihrauch zum Gebrauch im Gottesdienst aufbewahrt wird. Wenn die Weihrauchfässer nicht gebraucht werden, hängen sie an einem Ständer. Einmal habe ich gesehen wie ein paar Messdiener damit Schabernack getrieben haben. Sie haben das Weihrauchfass genommen und so heftig geschwenkt, dass es sich wie ein Karussell gedreht hat. Damit wollten sie erreichen, dass die Kohle schneller durchglüht. Huiiiii! - sah das lustig aus! Doch plötzlich löste sich die Kette vom Fass und das ganze Weihrauchfass flog in hohem Bogen durch die Sakristei, bevor es scheppernd auf den Boden fiel. Tja, so kann es einem gehen!

Seitdem müssen die Messdiener erst lernen wie man das Weihrauchfass richtig bedient. Das ist ganz schön kompliziert und die Vorbereitungen dafür macht meist die Küsterin oder ein großer Messdiener/eine große Messdienerin: Zuerst muss die Kohle ins Weihrauchfass gelegt und angezündet werden. Sie muss durchbrennen bis sie weiß verfärbt ist. Darauf kommen dann Weihrauchkörner. Wenn diese verkohlt sind, müssen sie entfernt werden, bevor man neue Körner auflegen kann. Zur Isolierung der Hitze und einer einfacheren Reinigung legen Profis zunächst etwas Sand in das Weihrauchfass. Durch einige Sandkörner auf der Kohle lässt sich die Temperatur reduzieren, sodass der Weihrauch nur schmort und nicht verbrennt. Damit die Kohle nicht ausgeht und der Weihrauch richtig seinen Duft verströmt, schwenken die Messdiener das Fass dann die ganze Zeit ein wenig – aber nicht so viel, dass es sich ganz dreht.

Bei der Hl. Messe wird zu Beginn der Altar beräuchert. Natürlich sagen die Menschen nicht einfach „beweihräuchern“ – nein, sie müssen ja alles kompöliziert machen und sagen darum inzensieren. Das Wort kommt vom lateinischen Wort incendere und bedeutet verbrennen. Also: zuerst wird er Altar inzensiert. Danach stellen die Messdiener den Weihrauch weg – oder halten ihn fest und schwenken ihn.

Vor dem Evangelium gehen sie dann zum Priester, der neue Weihrauchkörner in das Fass legt. Gemeinsam gehen dann die Messdiener mit dem Weihrauch, die Messdiener mit den Leuchtern und der Priester zum Ambo. Der Priester inzensiert dort das Evangeliar. Während der Verkündung des Evangeliums stehen die Weihrauch-Ministranten neben dem Ambo. Das Fass wird so geschwenkt, dass der Weihrauch dem Priester nicht in Augen und Nase geht. Danach stellen sie den Weihrauch bis zum Beginn der Gabenbereitung beiseite.

Jetzt holen die Messdiener das Weihrauchfass und Schiffchen wieder herbei. Wieder legt der Priester Körner auf. Nach der Gabenbereitung inzensiert er die Gaben. Anschließend beweihräuchern die Messdiener den Priester und die Leute in der Kirche. Die stehen dazu auf. Zur Wandlung schwenken die Messdiener das Weihrauchfass mehrmals hoch in die Luft, wenn die heiligen Gaben hochgehoben werden. Vor dem Vaterunser bringen sie dann das Weihrauchfass und das Schiffchen in die Sakristei.

Weihrauch wird übrigens nicht nur in besonderen Messen benutzt, sondern auch bei der Aussetzung des Allerheiligsten und beim Eucharistischen Segen, beim Vespergottesdienst, bei verschiedenen Weihen und manchmal beim Begräbnis.

Vielleicht habt ihr ja jetzt auch mal Lust bekommen, als Messdiener den Weihrauchdienst zu übernehmen. Dann lasst euch von den Großen zeigen wie das geht.

Ich sage Tschüs bis morgen!

Eure Kirchenmaus Gloria