Hallo,

da bin ich wieder. In den nächsten paar Tagen will ich euch von den besonderen Gottesdiensten in der „großen heiligen Woche“ erzählen. „Große heilige Woche“ wird die Woche von Palmsonntag bis Ostern genannt – und zwar deshalb, weil hier das Wichtigste gefeiert wird, das die Christen haben: den Tod und die Auferstehung von Jesus. Natürlich gibt es da auch besondere Gottesdienste.

Der erste ist am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern. An diesem Tag erinnern sich die Christen an den Einzug Jesu in Jerusalem (Mk 11,1 -11). Der Gottesdienst fängt deshalb auch immer draußen an. Dort treffen sich alle mit Palmzweigen in der Hand. Sie erinnern an die Palmzweige beim Einzug Jesu in Jerusalem und sind – weil sie immer grün sind – ein Zeichen für die Auferstehung. Manche Menschen schmücken die Zweige auch noch mit verschiedenen Dingen:

  • mit einem Holzstab, der ein Zepter darstellen soll, das Zeichen der Königswürde,
  • mit einem Kreuz als Zeichen für den Tod Jesu, dafür wie er stirbt,
  • mit Holzperlen als Zeichen für die Tränen, die Menschen vergießen, weil Jesus stirbt, aber auch als Zeichen der Tränen für die Menschen, die heute leiden und sterben,
  • mit Eiern als Symbol neuen Lebens (schließlich schlüpfen aus den scheinbar toten Eiern Küken), als Zeichen der Auferstehung und
  • mit Krepp-Bändern: lila und schwarz sind Zeichen der Trauer, gelb und orange sind Zeichen der Auferstehungsfreude.

Wenn nun der Priester und die Messdiener zu den wartenden Menschen kommen, beginnt der Gottesdienst wie immer mit dem Kreuzzeichen und der Begrüßung.

Dann werden die Palmzweige gesegnet und der Text vom Einzug in Jerusalem vorgelesen. Wenn er will, kann der Priester nun etwas dazu sagen.

Anschließend beginnt die Prozession: Gemeinsam gehen alle in die Kirche und singen dabei. Das alles klingt fröhlich, denn wie damals zur Zeit von Jesus freuen sich die Menschen, dass Jesus in die Stadt Jerusalem einzieht.

Doch dann – wenn alle in der Kirche sind, ändert sich die Stimmung. Jetzt wird an den Tod Jesu gedacht. Zuerst - wenn alle sitzen – folgt das Tagesgebet. Vielleicht denkt ihr nun, dass ich mich doch nicht so gut in der Messe auskenne, weil ja eigentlich das Kyrie kommen müsste. Aber das fällt an Palmsonntag aus.

Stattdessen folgt die erste Lesung aus dem Buch Jesaja (50,4 - 7). Da steht u. a. „Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.“ Mit diesem Mann, der sich freiwillig schlagen lässt, ist Jesus gemeint. Auch in der nächsten Lesung aus dem Philipperbrief des Apostels Paulus ist von Jesus die Rede (2,6 – 11). Da steht u. a.: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern ... wurde wie ein Sklave ... und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“

Ganz häufig lassen die Priester aber eine der beiden Lesungen oder sogar beide weg, damit der Gottesdienst nicht zu lang wird. Dann fällt natürlich auch der Antwortpsalm zwischen den Lesungen aus.

Aber jetzt wird es besonders spannend im Gottesdienst. Nach einem Liedruf folgt nun nämlich die Leidensgeschichte. Sie wird nicht von einem allein vorgelesen, sondern von drei Personen. Die Erste Person spricht die Worte des Evangelisten, die Zweite die Worte Jesu und die Dritte, die Worte der übrigen Personen – z. B. das, was Pilatus, Petrus u. a. sagen. Dadurch klingt alles sehr lebendig. Ich kann euch sagen, da werden die Leute in der Kirche ganz schön still! Und nicht nur die Leute, sondern auch wir Mäuse.

Vielleicht fragt ihr euch, warum jetzt schon die Leidensgeschichte vorgelesen wird und nicht nur an Karfreitag. Das liegt daran, dass nicht alle Leute an Karfreitag in den Gottesdienst gehen. Ich persönlich finde das sehr schade, denn diese Gottesdienste sind die spannendsten im ganzen Jahr – auch, wenn man manchmal nicht so richtig weiß, wie sie genau ablaufen und was man zu tun hat.

Nach dem Lesen der Leidensgeschichte – die übrigens auch Passionsgeschichte genannt wird – geht die Messe an Palmsonntag dann ganz normal weiter. Deshalb kann ich hier Schluss machen und sage nur:

Tschüs bis morgen!
Eure Kirchenmaus Gloria