Hallo,

da bin ich wieder – Gloria, die Kirchenmaus.

Heute dreht sich alles um den Gründonnerstag.

Gründonnerstag – das ist schon ein seltsamer Name oder? Woher er eigentlich kommt, weiß keiner so richtig. Meine Oma hat mir aber erklärt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt: Vielleicht kommt es von dem alten deutschen Wort "greinen". Übersetzt in unser Deutsch heißt das „weinen“ Die Menschen weinen also am Gründonnerstag über den Tod von Jesus. Vielleicht kommt das Wort auch von den Büßern. Seit ungefähr 1600 Jahren dürfen die Büßer an Gründonnerstag wieder zur Kommunion gehen. Und das lateinische Wort für Büßer ist „virides“, was auf Deutsch „die Grünen“ bedeutet. Vielleicht kommt das Wort auch von der Farbe Grün, da im Mittelalter an diesem Tag in manchen Gegenden grüne Messgewänder angezogen wurden. Aber egal, woher der Name kommt: Er wird fast nur da benutzt, wo man Deutsch spricht. In allen anderen Ländern spricht man vom „Hohen Donnerstag“.

An Gründonnerstag beginnen die „drei österlichen Tage“. Sie werden auch die „Heiligen Drei Tagen von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn", das „österliche Triduum“ oder das „Triduum Sacrum“ genannt. Es ist eigentlich ein Gottesdienst, der an Gründonnerstag beginnt und erst in der Osternacht endet. Darum gibt es am Ende auch keinen Segen, an Karfreitag kein Kreuzzeichen zu Beginn und keinen Segen am Schluss und auch in der Osternacht fehlt das Kreuzzeichen zu Beginn. Gründonnerstag beginnt also der längste Gottesdienst des Jahres. Hättet ihr das gedacht? Also ich finde den Gottesdienst so toll, dass ich immer dabei bin. Ich schleiche mich ganz leise unter einen Stuhl im Altarraum und feiere mit.

Aber warum geht es? In der Messe am Gründonnerstag feiert man den Abschied von Jesus. Er trifft zum letzten Mal seine Jünger, wäscht ihnen die Füße und isst mit ihnen.

Zunächst beginnt der Gottesdienst ganz festlich. Während in der Fastenzeit sonst kein Gloria gesungen wird, wird es nun wieder gesungen – besonders laut und kräftig. Da muss ich nach so langer Zeit besonders aufpassen, dass ich nicht losrenne und laut „Hier bin ich!“ rufe. Während des Glorias spielt die Orgel laut, die Glocken läuten und die Messdiener klingeln die ganze Zeit über kräftig mit den Schellen. Doch dann ändert sich alles: Die Orgel verstummt. Wenn jetzt also gesungen wird, müssen die Menschen ohne Begleitung singen. Das klingt dann viel trauriger. Außerdem benutzen die Messdiener nun keine Schellen und keinen Gong mehr, sondern nur Klappern aus Holz. Sie klingen hart und unfreundlich. Dadurch sollen sie an das Leiden von Jesus erinnern. Auch die Glocken schweigen ab diesem Zeitpunkt bis zur Osternacht. Manche Menschen sagen, dass sie „nach Rom fliegen". Auch wenn es nicht stimmt – das klingt nett oder?

Anschließend geht die Messe erst einmal „normal“ weiter. Dabei werden besonders die Geschichten vom Paschafest (Ex 12,1-8.11-14), vom letzten Abendmahl (1 Kor 11,23-26) und von der Fußwaschung (Joh 13,1-15) erzählt. Die Menschen erinnern sich also an alles, was Jesus mit seinen Freunden gefeiert hat und daran, was er von ihnen will: Sie sollen einander genauso lieben und genauso viel Gutes tun wie er es getan hat. Darum wäscht der Priester nach der Predigt 12 Menschen die Füße. Manchmal sind das einfach „ganz normale“ Leute, manchmal aber auch besondere wie z. B. Eltern von Kommunionkindern, Flüchtlingen ... So zeigt der Priester, dass er den Menschen genauso dienen will wie Jesus den Menschen gedient hat.

In dieser Messe erinnern sich die Menschen auch besonders daran, dass Jesus gesagt hat, dass sie in Erinnerung an ihn das Brot und Wein teilen sollen. Das zeigt sich in der Wandlung. Zum einzigen Mal im ganzen Jahr werden die Worte im Hochgebet verändert: Dann heißt es „Denn in der Nacht, da er verraten wurde – das ist heute –, nahm er das Brot und sagte Dank…" und „Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf – das ist heute – ...". Wenn Brot und Wein hochgehoben werden, kläppern die Messdiener wieder. Bei der Kommunion bekommen die Menschen in der Kirche oft sowohl das gewandelte Brot und als auch den gewandelten Wein.

Am Ende der Messe bringt der Pastor zusammen mit den Messdienern

die geweihten Hostien in einer Prozession an einen anderen Ort – eine Seitenkapelle oder einen Seitenaltar. Die Menschen in der Kirche knien dabei und die Messdiener kläppern die ganze Zeit laut. Wenn alle am Seitenaltar oder in der Seitenkapelle angekommen sind, wird noch einmal gebetet. Anschließend verlassen der Priester und die Messdiener still die Kirche.

Der Tabernakel bleibt offen und leer, das ewige Licht ist aus – das einzige Mal im ganzen Jahr. Der ganze Schmuck wie Blumen und Kerzen und auch das Altartuch werden aus dem Altarraum entfernt. Das zeigt die Trauer der Menschen und erinnert daran, dass Jesus die Kleider vom Körper gerissen wurden.

In manchen Gemeinden erinnern sich die Menschen nach dem Gottesdienst daran, dass Jesus nach dem Abendmahl im Garten Gethsemane gebetet hat. Christi. Schließlich gibt es in manchen Gemeinden oder Gruppen (z. B. bei der KJG, bei der KLJB) den Brauch, gemeinsam ein Agapemahl zu feiern, d.h. gemeinsam zu essen und zu trinken. Dabei werden manchmal die Texte des Passahmahles gelesen oder das Licht, das Brot und der Saft (Wein) vor dem Essen gesegnet. Natürlich schleiche ich mich immer zu einer Agapefeier – entweder auf dem Fuß oder in der Tasche des Priesters oder einer anderen Person.

Ich finde das Agapemahl nämlich immer besonders toll. Schließlich fallen dort immer Krümel auf den Boden – sowohl vom Brot als auch von den Bitterkräutern, die dazu gegessen werden. Die Brotkrümel schmecken so richtig gut. Hmmmm! Aber die Bitterkräuter – bah!!! Doch inzwischen kann ich die beiden gut unterscheiden und esse nur noch das Brot auf.

Tja und wie die Messe dann weitergeht? Das erzähle ich euch morgen.

Tschüs!
Eure Kirchenmaus Gloria