Hallo,

da bin ich wieder – Gloria, die Kirchenmaus.

Heute berichte ich euch vom Karfreitag und dem zweiten Teil der „längsten Messe der Welt“.

Der Name „Karfreitag“ kommt vom alten deutschen Wort „Kara“. Das bedeutet „Trauer und Wehklage“. Der Karfreitag ist also ein stiller Tag, an dem an den Tod von Jesus gedacht wird. Er ist so wichtig, dass in Deutschland das Gesetz an diesem Tag sogar alle öffentlichen Tanz- und Sportveranstaltungen verbietet. Das ist sonst an keinem anderen Tag im Jahr der Fall.

Aber für die katholischen Christen ist noch etwas anders an dem Tag: Es ist einer von zwei „Fast- und Abstinenztagen". Das bedeutet, dass man sich nur einmal satt essen soll und keine Fleischgerichte isst. In vielen Gegenden werden darum nur einfache Speisen wie Kartoffeln mit Spinat und Ei oder Fisch gegessen. Viele Menschen verzichten außerdem z. B. auf den Fernseher oder das Radio.

Am Karfreitag beten in vielen Gemeinden am Vormittag Menschen den Kreuzweg. Dabei bleiben sie oft nicht in der Kirche, sondern gehen nach draußen und beten an Stationen, wo Bilder von dem Kreuzweg zu sehen sind. In Gehrden verkleiden sich die Menschen sogar und tragen ein schweres Kreuz den Kreuzweg entlang auf den Berg. Das nennt sich dann Kreuztracht. In Riesel findet ein spezieller Jugendkreuzweg statt, in Brakel ein Kreuzweg für Kinder. Aber auch andere Gemeinden haben ihre Kreuzwege.

Der Höhepunkt, das Wichtigste des Tages ist die Karfreitagsliturgie um 15 Uhr. Sie wird genau zu der Stunde gefeiert, wenn Jesus gestorben ist. Weil die Glocken an diesem Tag nicht läuten, laden an vielen Orten Messdiener zum Gottesdienst ein. Sie laufen durch den Ort und kläppern oder setzen sich auf einen Berg und kläppern von dort. Vielleicht hat ihr ja auch einmal Lust, in euren Gemeinden dabei mitzumachen.

Dann beginnt der Gottesdienst. Er ist so anders als alle anderen im Jahr, dass selbst Menschen, die immer zur Kirche kommen, nicht so ganz genau wissen wie der Ablauf ist.

Zuerst kommen der Priester und die Messdiener ganz leise in die Kirche. Sie tragen rote Gewänder, die an das Blut erinnern, das Jesus vergossen hat.

Wenn sie hereinkommen, legen sie sich auf die Stufen vor dem Altar - flach auf dem Boden. Alle anderen knien. So erinnern sich die Menschen daran, dass Jesus genau zu der Stunde gestorben ist. Sie zeigen dadurch auch, dass sie über seinen Tod traurig sind.

Anschließend folgt ein Wortgottesdienst. Er fängt ohne ein Kreuzzeichen an, denn er ist nur die Fortsetzung vom Gottesdienst am Gründonnerstag. Zunächst spricht der Priester ein Gebet.

Anschließend folgen zwei Lesungen mit einem Psalm dazwischen. Dieser wird ebenso wie die anderen Lieder nicht von der Orgel begleitet, sondern alle müssen so singen. Damit es nicht allzu schief klingt, gibt es meist ein paar Menschen, die auf der Orgelbühne stehen und die Lieder anstimmen.

Ich habe einmal gehört wie ohne so einen Vorsänger gesungen wurde und kann euch sagen: Das ist eine richtige Strafe! Es klingt einfach nur schrecklich!

Nach den Lesungen wird die Leidensgeschichte gelesen – meist wieder von drei Personen. Einer ist der Sprecher, einer Jesus und einer die Leute. Einmal wurde die ganze Leidensgeschichte – oder Passionsgeschichte wie sie ja auch heißt – gesungen. Das haben drei Leute gemacht, die es wirklich gut konnten. Ich kann euch sagen, dabei ist es mir ganz kalt den Rücken hinuntergelaufen so schön war es.

Zuerst sitzen alle während der Leidensgeschichte. An einer bestimmten Stelle stehen sie dann auf und an der Stelle, an der Jesus stirbt, knien sich alle hin und sind ganz leise.

Nach der Predigt folgen die Großen Fürbitten, die ganz anders sind als „normale“ Fürbitten. Zuerst wird gesagt, wofür die Menschen beten wollen. Dann wird gesprochen: „Beuget die Knie". Alle knien hin und beten kurz – bis gesagt wird: „Erhebet euch.“ Jetzt stehen alle wieder auf. Anschließend folgt ein kurzes Gebet, bevor die nächste Bitte gesprochen wird. Es gibt insgesamt 10 große Fürbitten, aber ganz oft werden ein paar weggelassen. Ihr seht also: An Karfreitag geht es in der Kirche so richtig sportlich zu.

Nach den Fürbitten gehen der Priester und die Messdiener nach hinten in die Kirche. Dort befindet sich ein Kreuz, das mit einem lila Tuch verhüllt ist. Dieses Kreuz trägt der Priester nach vorn. Die Messdiener begleiten es mit Leuchtern und Klappern. Unterwegs wird drei Mal gesungen: „Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen". Auf Latein heißt das „Ecce lignum crucis". Die Menschen in der Kirche antworten: “Kommt, lasset uns anbeten!" oder auf Latein: „Venite adoremus". Nach jedem Ruf wird ein Stück vom Kreuz enthüllt, d. h. ein Stück Tuch weggemacht.

Am Altar angekommen, wird das Kreuz auf die Altarstufen gelegt. Zwei Messdiener halten es fest, andere knien mit Leuchtern in der Hand daneben. Außerdem werden rechts und links ein paar Blumen hingestellt.

Nun ziehen alle in einer Prozession zum Kreuz und verehren es mit einer Kniebeuge oder legen Blumen vor das Kreuz. In manchen Ländern wird es sogar umarmt oder geküsst. Diese Kreuzverehrung ist schon ganz alt. Es gibt sie bereits seit dem Jahr 400.

Nach der Verehrung des Kreuzes spricht der Priester wieder ein Gebet. Jetzt beten alle das Vater unser und es folgt die Kommunion.

Dazu gehen der Priester und die Messdiener zum Seitenschiff oder in die Seitenkapelle und holen von dort die Hostien. Unterwegs kläppern die Messdiener. Gleichzeitig wird der Altartisch gedeckt, d. h. ein Tuch darauf gelegt. Wenn alle wieder am Altar sind, hebt der Priester eine Hostie hoch und spricht: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt.“ Alle antworten wie immer: Herr, ich bin nicht würdig ...“ Nun wird die Kommunion ausgeteilt.

Anschließend bringend er Priester und die Messdiener sie zurück zum Seitenaltar oder zur Seitenkapelle. Leuchter und Klappern begleiten sie.

Der Gottesdienst endet mit einem Segensgebet ohne Kreuzzeichen – schließlich ist sie nur ein Teil des großen Ostergottesdienstes, des österlichen Triduums, das bereits Gründonnerstag begann.

Das Kreuz wird zur weiteren Verehrung in der Kirche aufgestellt.

In manchen Gemeinden wird es auch in ein Grab gelegt, das extra dafür gebaut wird. Es wird durch Kerzen und Blumen geschmückt. Wenn in Brakel ein Ostergarten aufgebaut ist, wird es dort in das Grab gelegt.

In Hembsen gibt es hinter einem der Seitenaltäre ein Grab. Dieses wird an Karfreitag geöffnet und ist dann für alle zu sehen. Ansonsten sehen es nur die Kommunionkinder, wenn sie in Hembsen einen Weggottesdienst feiern.

Ihr seht: Ich habe nicht zu viel versprochen: Der Gottesdienst an Karfreitag ist ganz anders als alle anderen. Außerdem: Er ist immer noch nicht zu Ende. Wie es weitergeht, berichte ich euch morgen.

Tschüs!
Eure Kirchenmaus Gloria