Hallo,

noch einmal melde ich mich bei euch – Gloria, die Kirchenmaus.

Heute erzähle ich euch vom letzten Teil des österlichen Triduums, der längsten Messe der Welt.

Früher wurde dieser Gottesdienst mit allen Teilen von Gründonnerstag bis Ostern in einer einzigen Nacht gefeiert. Das dauerte dann auch die ganze Nacht. Könnt ihr euch das vorstellen? Sicher waren die Menschen dann auch so richtig erledigt. Da ist es schon besser alles auf drei Tage aufzuteilen.

Die eigentliche Osternachtsfeier sollte übrigens möglichst in der Morgendämmerung stattfinden, denn im Osterevangelium kommen die Frauen „in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche" zum leeren Grab – und nicht schon am Abend. Wenn er jedoch bereits am Abend gefeiert wird, darf sie erst beginnen, wenn es schon dunkel ist.

Der Ostergottesdienst ist der wichtigste Gottesdienst im ganzen Jahr. Er wird wieder draußen begonnen. Ich habe einmal von einem weit entfernten Cousin gehört, dass dort in der Kirche wirklich alle Menschen nach draußen gehen. Und das kam so: Einmal hat ein Priester gesagt: „Entweder Sie kommen alle nach draußen zum Feuer oder ich zünde das Feuer hier auf dem Altar an. Die Feier beginnt schließlich am kleinen Osterfeuer.“ Da sind dann doch alle lieber nach draußen gegangen und machen es seitdem immer noch. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, denn mein Cousin kann manchmal schon ganz schön flunkern, aber er hat Recht: Der Gottesdienst fängt wirklich draußen an. Ich weiß das, denn ich bin immer dabei.

Also: Draußen wird ein kleines Feuer angezündet. Der Priester und die Messdiener mit dem Vortragekreuz, den Lichtern und dem Weihrauch ziehen durch die ganz dunkle Kirche nach draußen. Auch die Lichter der Messdiener sind noch aus.

Draußen wurde ein kleines Feuer entzündet. Der Priester segnet es und spricht dabei davon, dass alle sich nach dem Licht Gottes sehnen, das die Dunkelheit vertreibt.

Nun fährt der Priester mit der Hand über das Kreuz in die Kerze, über den griechischen Buchstaben Alpha, den Buchstaben Omega und die Jahreszahl. Dabei spricht er:

Christus, gestern und heute, (senkrechter Balken)

Anfang und Ende, (Querbalken)

Alpha (über dem Kreuz)

und Omega. (unter dem Kreuz)

Sein ist die Zeit (1. Ziffer)

und die Ewigkeit. (2. Ziffer)

Sein ist die Macht und die Herrlichkeit (3. Ziffer)

in alle Ewigkeit. Amen. (4. Ziffer)

In das Kreuz kommen fünf Nägel. Dazu spricht der Priester:

Durch seine heiligen Wunden,

die leuchten in Herrlichkeit,

behüte uns

und bewahre uns

Christus, der Herr. Amen.

Immer, wenn eine Reihe zu Ende ist, steckt er einen Nagel ins Kreuz. Diese Nägel erinnern an die Wunden Jesu: am Kopf durch die Dornenkrone, an den Händen, den Füßen und in der Seite.

Der Priester zündet jetzt die Osterkerze am Feuer an und spricht dabei:

Christus ist glorreich auferstanden vom Tod.

Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen

Nun wird die brennende Osterkerze in einer Prozession in die dunkle Kirche getragen. Zuerst gehen die anderen Menschen hinein, dann die Messdiener, dann die Kerze. Auf dem Weg zum Altar wird dreimal gesungen: „Lumen Christis“, d. h. Christus das Licht. Alle antworten „Deo gratias", d. h. „Dank sei Gott". Nach jedem „Lumen Christi“ wird einen Moment gestoppt und das Licht der Osterkerze an alle verteilt. Das bedeutet, erst zünden die Messdiener ihre Kerzen an der Osterkerze an und die Menschen in den Bänken zünden dann ihre Kerzen an denen der Messdiener an. Alle anderen Lichter bleiben aus.

Vorne am Altar angekommen wird dann ein langes Dank- und Loblied über die Kerze gesungen. Dieses Lied hat den Namen Exsultet. Es erzählt von der Schöpfung, vom Passahfest, vom Auszug aus Ägypten, vom Leiden und Tod Jesu, von unserer Taufe und davon, dass Jesus wiederkommt.

Nach diesem Loblied über die Kerze folgen Lesungen. Weil es dabei in der Kirche noch dunkel ist, stehen meist zwei Messdiener rechts und links vom Ambo und halten Kerzen in der Hand. So kann der Lektor oder die Lektorin sehen, was er oder sie lesen muss.

Die erste Lesung ist die von der Erschaffung der Welt. Dann folgen weitere. Insgesamt gibt es neun Lesungen: sieben aus dem Alten Testament und zwei aus dem Neuen Testament. Weil manchen das aber zu viel ist, werden einige Lesungen oft weggelassen. Dann werden nur drei Lesungen aus dem Alten Testament und eine oder zwei aus dem neuen Testament gelesen. Eine Lesung aber darf nie ausfallen: Die Lesung von der Befreiung der Israeliten aus Ägypten. Zwischen den Lesungen gibt es immer ein Lied bzw. einen Psalm und ein Gebet.

Vielleicht wundert ihr euch über die vielen Lesungen. Aber erinnert euch: Früher wurde die ganze Nacht gewacht. Da hatte man genug Zeit für viele Lesungen. Außerdem erinnern sie alle an das Gute, das Gott den Menschen getan hat.

Zwischen den Lesungen des Alten und des Neuen Testamentes wird dann plötzlich das Gloria gesungen. Ich finde, das ist einer der tollsten Augenblicke im Gottesdienst – und das nicht nur, weil ich Gloria heiße. Denn jetzt fängt die Orgel das erste Mal wieder an zu spielen – so richtig laut und kräftig. Gleichzeitig schellen die Messdiener die ganze Zeit über und die Glocken beginnen zu läuten. Das gibt so richtig ein Gänsehautgefühl. Gleichzeitig wird jetzt in der ganzen Kirche das Licht eingeschaltet.

Es folgt das Evangelium von der Auferstehung Jesu. Vorher wird das erste Mal seit Beginn der Fastenzeit wieder das Halleluja gesungen. Dann gibt es eine Predigt.

Manchmal werden anschließend Kinder getauft. Früher war es übrigens so üblich, dass die Menschen alle in der Osternacht getauft werden. Heute passiert das nur selten. Die Tauffeier beginnt mit einer Allerheiligenlitanei. Dabei werden Heilige angerufen: „Heiliger ...“ und alle antworten „Bitte für uns.“ Danach wird das Taufwasser gesegnet. Dann werden alle mit dem frisch geweihten Taufwasser besprengt. So erneuern sie die eigene Taufe. Manche Priester spritzen dabei so viel vom Weihwasser herum, dass man das Gefühl hat, man wird geduscht – jedenfalls, wenn man so klein ist wie wir kleinen Kirchenmäuse.

Jetzt geht die Messe ganz normal mit den Fürbitten und der Eucharistiefeier weiter. Am Ende folgt ein feierlicher Segen mit einem Halleluja-Ruf. Habt ihr das gerade mitbekommen? Am Ende gibt es wieder einen Segen! Der längste Gottesdienst der Welt, das österliche Triduum ist damit zu Ende.

In manchen Gemeinden gibt es dann beim Hinausgehen ein Osterei als Erinnerung an den Ostergottesdienst oder das Angebot gemeinsam zu frühstücken.

Nun, was haltet ihr von diesem langen Gottesdienst? Ich finde: Was in diesen drei Tagen so alles in der Kirche passiert, ist richtig spannend oder? Falls ihr es also noch nicht habt, feiert die drei Tage doch einmal mit! Und wenn ihr denkt, dass das noch zu viel für euch ist: In einigen Orten wie in Brakel wird das österliche Triduum extra für Kinder angeboten.

Damit sage ich erst einmal: Tschüs!

Eure Kirchenmaus Gloria