Seit Aschermittwoch hängt über dem Altar der Kirchen ein Hungertuch. Doch: Was ist das – ein Hungertuch? Es ist sicherlich nicht ein Tuch, das Hunger hat, sondern bedeutet etwas anderes:

Vor über 1 000 Jahren wurde der Altarraum in der Fastenzeit mit Tüchern verhüllt. So sollten auch die Augen fasten und die Menschen in der Kirche nicht mehr sehen, was am Altar geschah. Später veränderten sich die Hungertücher. Im Mittelalter wurden Geschichten aus der Bibel darauf gemalt. Diese konnten auch die Menschen verstehen, die nicht lesen konnten. Das Hungertuch war jetzt also die „Bibel für die Armen“. Eine Weile danach verschwanden die Hungertücher, das heißt man benutzte keine mehr.

Aber dann vor 45 Jahren – also 1976 – kam Misereor auf die Idee, neue Hungertücher machen zu lassen – alle zwei Jahre eines. Die Tücher werden jeweils von Künstlern aus unterschiedlichen Ländern gemalt. Dadurch sollen alle erfahren, was den Menschen in diesen Ländern an ihrem Glauben wichtig ist. Oft malen sie Bilder, die etwas mit einer Geschichte aus der Bibel zu tun haben.

In diesem Jahr gibt es ein neues Hungertuch. Die Künstlerin Lilian Moreno Sánchez aus Chile hat es zu dem Thema „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31,9). Sie hat es mit Kohle und Gold auf alte Bettwäsche gemalt.

Hast du Lust, selbst ein Stück von einem Hungertuch zu gestalten?

Nun, alte Bettwäsche haben wir nicht für dich. Doch wenn du ebenfalls ein Stück eines Hungertuches gestalten willst, kannst du dir an diesem Wochenende aus der Pfarrkirche St. Michael in Brakel ein Stück Stoff holen. Nimm es mit nach Hause. Anschließend überleg dir, was deine Lieblingsgeschichte in der Bibel ist. Danach gestalte das Tuch mit einem Bild deiner Geschichte. Du könnt sie malen, aus Stoff, Papier ausschneiden und aufkleben, ... Wenn dein Tuchstück fertig ist, bring es wieder zur Kirche und wirf es durch das Gitter. Alle Tücher, die bis zum 14.03.2021 wieder zurückgekommen sind, werden aneinander genäht und als ein größeres Hungertuch in die Kirche gehängt.