Auch dieses Jahr hat die Bücherei St. Michael Brakel wieder zu einem Leseabend für Erwachsene eingeladen.
Am Freitag, den 20. März, war der Veranstaltungsraum im Haus am Kirchplatz 9 gut gefüllt und das Motto des Abends lautete „Reisegeschichten“.
Bereits im Vorfeld hatte das Organisationsteam mitgeteilt, dass es nicht nur um Bücher zum Thema „Lustreisen“ gehen sollte, in denen die Protagonisten neue Länder, Menschen und Kulturen kennenlernen.
Es gibt viele Gründe dafür, dass sich Menschen auf eine Reise begeben oder begeben müssen, und oft genug sind sie an ihrem (Etappen)Ziel nicht mal willkommen. Auch deswegen stand der Leseabend in Kooperation mit den Internationalen Wochen gegen Rassismus und bot den Besuchern sogar einen speziellen Thementisch mit allerlei Literatur zum Thema Rassismus, Rechtsradikalismus und Diversität.
Ein weiterer Aspekt war „Reise“ als Bild für die Persönlichkeitsentwicklung der Hauptperson einer Geschichte, also das Leben selbst als Reise zu begreifen.
Die drei Vorleserinnen, allesamt aus dem Team der Bücherei, hatten insgesamt sechs Bücher vorbereitet. „Lasst euch von uns heute Abend auf gleich mehrere Reisen mitnehmen“, luden sie die Gäste ein. Dazu gab es Getränke und ein kleines Fingerfoodbuffet in der Pause.
Die vorgestellten „Reisegeschichten“ boten ein sehr breites Spektrum, von heiterer, „leichter“ Unterhaltung über menschliche Stärke Angesichts schwerer Schicksalsschläge bis hin zu skurrilen, fast trotzigen „Jetzt erst recht“-Momenten war sicher für jeden etwas dabei.
- Julie Chapins „Der kleine Teeladen in Tokio“ eröffnete als eher klassische Reiseerzählung inklusive tiefer Einblicke in die japanische Kultur und natürlich auch mit Romantikfaktor den Abend.
- Danach folgte der 2024 verfilmte, autobiografische Roman „Der Salzpfad“ von Raynor Winn, über ihre Wanderung mit ihrem Mann entlang eines fast 1000 Kilometer langen Küstenpfads in Wales als buchstäbliche Flucht vor finanziellen Problemen.
- Jasmin Schreiber schickt in „Marianengraben“ ihre Protagonistin Paula nach dem Tod ihres kleinen Bruders auf eine sehr skurrile Reise mit Zufallsbekanntschaft Helmut und einer sehr speziellen Mitreisenden, Helga.
- Nach der Pause führte Benedict Wells´ Roman „Hard Land“ zurück ins Jahr 1985 in den mittleren Westen der USA, wo der 15jährige Sam innerhalb eines Sommers erwachsen werden muss, während seine kranke Mutter von einer Reise nach Rom träumt.
- Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, inzwischen eine Standardlektüre in weiterführenden Schulen, erzählt die Geschichte eines verrückten Roadtrips zweier Teenager aus Berlin.
- Humorvoller Abschluss war dann Leonie Fabers „Die Zeitenbummlerin“. Die 52jährige, frisch getrennte Journalistin Josefine soll eine Reportage über das „Glück der Langsamkeit“ schreiben und darf dann mehr oder weniger unfreiwillig die Reise zu ihren Interviewpartnern mit dem Fahrrad antreten, völlig untrainiert und mit einem uralten Citybike.
Das Team der Bücherei überlegt schon jetzt, unter welches Thema der nächste Leseabend gestellt werden kann.