© Thomas Oesselke / PR Brakeler Land
© Thomas Oesselke / PR Brakeler Land

St. Agatha, Siddessen

Veranstaltung "Spuren sichtbar machen"

Dienstag|28. April 2026|19.30 Uhr|Kirche Siddessen

Impulse von Detlef Stock, Pastoraleteam, Dirk Damm, Diakonie Paderborn/Höxter, und Benedikt Körner, Erzbistum Paderborn zu den judenfeindlichen Darstellungen auf den Kreuzwegen in Gehrden und Siddessen.

Begrüßung: Eva Schwarzendahl, Gemeinderat, Moderation: Karin Stieneke, Verwaltungsleiterin

Der Kreuzweg in Siddessen

Auftragsmaler

(flü) Die Kreuzwegbilder in St. Agatha stammen vom Kirchenmaler Anton Winkelmann aus Bergheim (siehe Bildergalerie). Wenige Jahre später malte er die Brakeler Synagoge aus. Ein Maler, der antijüdische Hinweise in seinen Bildern unterbringt, als Synagogenmaler? Ist das möglich?

Das ist möglich, sagt Benedikt Körner, Erzbistum Paderborn:

„Maler waren in der Regel Auftragsmaler, die von Gemeindevertretern oder Stiftern beauftragt waren, bestimmte Kunstwerke zu schaffen. In der Regel sah dies so aus, dass der Maler die Vision der Auftragsstellenden umsetzten. Dafür wurde er bezahlt.  Wie hoch Winkelmanns eigene Ideen in diesem Kreuzweg umgesetzt wurden, kann ich nicht beurteilen. Es ist es auch so, dass Kreuzwege oft kopiert wurden. Möglicherweise gibt es also ein Vorlagenmotiv, welches einfach ohne weitere Beachtung kopiert wurde, ohne auf Details zu achten.“

Verantwortung übernehmen - Haltung zeigen

Einordnung der Kirchengemeinde

Der Kreuzweg der St. Agatha-Kirche in Brakel-Siddessen enthält Darstellungen, die als antijüdisch verstanden werden können. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich. 

In einigen Szenen sind Menschen zu sehen, die als jüdisch erkennbar dargestellt sind und aktiv an der Kreuzigung Jesu beteiligt erscheinen oder sie im Hintergrund überwachen. Solche Darstellungen können den Eindruck erwecken, das jüdische Volk trage insgesamt Schuld am Tod Jesu oder es gebe eine „geheime Macht“, die im Verborgenen wirkt. Diese Vorstellungen sind falsch und haben in der Geschichte viel Leid verursacht. Zwar berichten biblische Texte davon, dass führende religiöse Gruppen in Jerusalem an der Verurteilung Jesu beteiligt waren. Diese Texte sind jedoch nicht als historische Berichte im heutigen Sinne zu verstehen. Die Forschung zeigt, dass die römische Besatzungsmacht – insbesondere der Statthalter Pontius Pilatus – die entscheidende Verantwortung für die Kreuzigung trug. 

Einige kritische Aussagen über Pharisäer und Schriftgelehrte spiegeln innerjüdische Auseinandersetzungen zur Zeit Jesu wider. Sie dürfen nicht als Abwertung des Judentums verstanden werden. Dennoch wurden solche Texte im Lauf der Geschichte oft antijüdisch ausgelegt. Das führte zu Ausgrenzung, Gewalt und Verfolgung jüdischer Menschen bis hin zu den Verbrechen der Nationalsozialisten. 

Heute ist sich die katholische Kirche dieser Geschichte bewusst. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird betont: Das Judentum ist keine überwundene Religion, sondern bleibt Teil der bleibenden Beziehung Gottes zu den Menschen. Auch wenn die problematischen Elemente dieses Kreuzwegs aus ihrer Zeit heraus erklärbar sind, möchten wir sie benennen und uns klar davon distanzieren. Gerade heute, da Antisemitismus wieder zunimmt, ist es uns wichtig, Verantwortung zu übernehmen, Haltung zu zeigen und die gemeinsamen Wurzeln von Judentum und Christentum zu achten. 

Für die Kirchengemeinde St. Agatha Siddessen: Andreas Kurte, Pfarrer, Eva Schwarzendahl, Gemeinderat, Dominik Wiemers, Kirchenvorstand 

Antijüdisches Bildprogramm

Zeigen Kreuzwegbilder in Siddessen und Gehrden antijüdische Darstellungen? Das behaupten die Autoren der Webseite „spuren-sichtbar-machen.de“. Für viele Menschen in den Kirchengemeinden ist das schwer vorstellbar, aber die Einschätzung wird von einem Fachmann des Erzbistums Paderborn bestätigt.

Von Karl-Martin Flüter (entnommen aus: „geh mit“, Ausgabe 1/2026)

Kreuzwege gehören zur festen Ausstattung jeder Kirche: 14 Darstellungen, die den Stationen des Leidensweges von Jesus entsprechen, von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Kreuzigung und Grablegung. Während der Kreuzwegandachten in der Fastenzeit werden die Bilder zu Gebetsstationen.

Auch in der Kirche St. Agatha in Siddessen hängen die 14 Gemälde an den Wänden. Seit einiger Zeit sind sie im Internet zu sehen. Allerdings ist der Grund für die Präsentation nicht erfreulich. Die Internetseite „spuren-sichtbar-machen.de“ hat die Fotos hochgeladen, weil es sich um „judenfeindliche Passionsdarstellungen“ handeln soll.

Für Mitglieder der Gemeinden sind die  Argumente spontan nur schwer nachvollziehbar. Sollten sie möglicherweise seit Jahrzehnten in Sichtweite antijüdischer Propaganda gebetet haben, ohne dass ihnen das aufgefallen ist? Tatsächlich wird oft selbst bei genauerem Studium nicht deutlich, was den Darstellungen vorgeworfen werden könnte. Das gilt für beide Kirchen in Siddessen und in Gehrden, auch wenn sich die folgenden Ausführungen nur auf St. Agatha beziehen.

„spuren-sichtbar-machen.de“ ist ein Projekt der Agentur für Anti-diskrimierungsarbeit (ADA) der Diakonie Paderborn-Höxter. ADA-Agenturen werden vom Land gefördert. Die Webseite ist seit März 2023 online.

Innerhalb von zwei Jahren ist auf der Plattform eine erstaunlich lange Liste von Kirchengebäuden zusammengekommen, die judenfeindliche Darstellungen zeigen: 70 „gemeldete Spuren“, 34 davon sind bereits veröffentlicht.

In fünf Fällen, so heißt es auf der Internetseite, habe es vor Ort bereits „Maßnahmen der Kontextualisierung“ gegeben, also erläuternde Texte. In einem Fall sei die betreffende Darstellung entfernt worden. In der Mehrzahl der angezeigten „Spuren“, darunter der Kreuzweg in St. Agatha Siddessen, seien noch keine öffentlichen Hinweise erfolgt.

Ein erster Hinweis für die antijudaistische Haltung des Malers in St. Agatha finde sich gleich zu Beginn auf dem Bild, das die Verurteilung von Pontius Pilatus zeigt, heißt es auf „spuren-sichtbar-machen.de“. Die Gestaltung eines Gesichts am unteren Bildrand rechts sei ein Fall von „Rassifizierung“:

„Dabei werden die wulstigen Augen und die gebogene Nase insbesondere im unmittelbaren Vergleich zu der Darstellung von Pontius Pilatus und Jesus deutlich.“

Auf den Bildern sind zwei Männer mit langen weißen Bärten auszumachen. Sie begleiten das Geschehen. Auf der Webseite heißt es dazu:

„Offensichtlich als jüdische Würdenträger dargestellte Personen scheinen dieses Geschehen nicht nur zu observieren, vielmehr können Handhaltungen und Gesichtsausdrücke dieser Personen derart verstanden werden, dass sie den ausführenden Personen Anweisungen geben.“

Die Beurteilung des Kreuzwegs ist eindeutig, auch wenn die Verfasser Entlastende zugestehen:

„Insgesamt muss man feststellen, dass der Vorwurf des Gottesmordes bei diesen Bildern subtiler und weniger offensichtlich dargestellt ist als bei vielen anderen uns gemeldeten Prozessionsdarstellungen … Gleichzeitig stärken sie [die Kreuzwegbilder] das antisemitische Narrativ der jüdischen Strippenzieher im Hintergrund.“

 

Die Analyse auf der Webseite ist wahrscheinlich in einem Punkt fehlerhaft. Bei der Darstellung einer der beiden „Würdenträger“, die Jesus auf seinem Leidensweg begleiten, könnte es sich um Josef von Arimathäa handeln, einen reichen Bewohner Jerusalems, Freund und Anhänger von Jesus. Er soll Pontius Pilatus darum gebeten haben, Jesus zu bestatten. Als ihm das erlaubt wurde, nahm er den toten Jesus vom Kreuz und legte ihn in sein eigenes Grab.

Benedikt Körner studierte katholische Theologie und Islamische Studien. Im Erzbistum Paderborn ist er für den interreligiösen Dialog zuständig.

Erzbistumsmitarbeiter Benedikt Körner stimmt dieser Einschätzung zu. Josef von Arimathäa sei auf zwei Bildern im Umfeld der Kreuzabnahme und bei der Grablegung zu sehen. Diese Figur stehe tatsächlich nicht für eine antijüdische Symbolik, sei allerdings auch mit stereotypen antijüdischen körperlichen Merkmalen ausgestattet, deutlich zu erkennen an der gekrümmten Nase.

Benedikt Körner betont, das restliche Bildprogramm des Kreuzwegs sei jedoch nicht frei von antijüdischen Ressentiments:

„… weitere jüdische Gelehrte sind so ebenfalls gekennzeichnet, jedoch mit anderen Kopfbedeckungen, deutlich ist hier die gekrümmte Nase, der Rauschebart und der weite Umhang zu erkennen. Teilweise sind diese Personen durch eingefallene Wangen negativ gekennzeichnet. Diese finden sich auf fast allen weiteren Bildern und sie beobachten und überwachen die Kreuzigung

Auf „spuren-sichtbar-machen.de“ werden auch die Kopfbedeckungen der Figuren, die unmittelbar an der Kreuzigung beteiligt sind, als antijüdische Symbolik beschrieben. Benedikt Körner stimmt dieser Einschätzung zu. Er schreibt:

„Sie tragen Rüstungen und gleichzeitig aber auch rote Turbane, im Gegensatz zur Darstellung klar erkennbarer römischer Soldaten mit Helmen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass damit (jüdische) Häscher gekennzeichnet werden sollen. Dies ist biblisch-historisch allerdings nicht korrekt.“

Benedikt Körner schließt, der Kreuzweg in St. Agatha Siddessen zeige …

„… tatsächlich zwei damals [zur Zeit der Herstellung um 1908] gängige antijüdische Ressentiments: Den vermeintlichen Gottesmordvorwurf und die Vorstellung einer globalen, mächtigen jüdischen Elite, die die Geschicke der Welt leitet.“

Die Kirchen St. Agatha in Siddessen sowie St. Peter und Paul in Gehrden sind keine Einzelfälle. „Generell sind Kreuzwege und ihre Entstehung noch nicht tiefgründig wissenschaftlich erforscht, auch das Thema antijüdischer Elemente in solchen Darstellungen nicht“, betont Benedikt Körner. Die Auseinandersetzung, die im Pastoralen Raum Brakeler Land zurzeit geführt werde, sei deshalb „Pionierarbeit“.

Fruchtbarer Boden

Der christliche Antijudaismus hat eine lange Geschichte, die teilweise bis heute in Bildern und Plastiken in Kirchen sichtbar ist.  Wie sollen die Gemeinden damit umgehen?

Von Karl-Martin Flüter (entnommen aus: „geh mit“, Ausgabe 1/2026)

Die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche in Nordrhein-Westfalen – unter ihnen die fünf (Erz-)Bischöfe aus dem Bundesland – fanden deutliche Worte. An vielen Stellen zeige sich in den Kirchen „eine alte, heute überholte“, aber dennoch „lange bestehende, erschreckende Judenfeindschaft“. Die Selbstkritik sparte auch die verhängnisvollen Konsequenzen nicht aus: „Wir werden uns zunehmend bewusst, dass der christliche Antijudaismus dem modernen Antisemitismus einen fruchtbaren Boden bereitet hat.“

So steht es im Vorwort der „Leitlinien zum Umgang mit antijüdischen Bildwerken in und an Kirchenräumen“, die die katholischen Erzbistümer und Bistümer und die evangelischen Kirchen in NRW im März 2025 veröffentlicht haben – eine „Sehhilfe“ zum Umgang mit antijüdischer Kunst in Kirchen.

Eine abwertende Bildsprache

Es geht um Bilder und Skulpturen, die eindeutig antijüdisch sind. „Sie zeigen eine abwertende Bildsprache, die Vorurteile über das Aussehen jüdischer Menschen wiedergibt“, sagt Benedikt Körner vom Erzbistum Paderborn, „fratzenartige Gesichter, Hakennasen, wulstige Lippen, gebeugte Gestalten. Der sogenannte Judenhut kennzeichnet sie als Mitglied der diskriminierten Gruppe.“

Benedikt Körner ist im Erzbistum Paderborn zuständig für den interreligiösen Dialog. Er war an der Ausarbeitung der Leitlinien zum Umgang mit antijüdischen Bildwerken beteiligt und begutachtet Kunstwerke in Kirchen, die in den Verdacht geraten sind, antijüdische Vorurteile zu transportieren.

Derartige Darstellungen finden sich, mehr oder weniger deutlich, in mindestens 37 Kirchen in NRW. So heißt es auf „spuren-sichtbar-machen.de“. Der Paderborner Dom ist darunter, aber auch Dorfkirchen wie St. Agatha in Brakel-Siddessen.

Wie mit dem belasteten Thema umgehen?

Kirchen waren und sind immer noch Mittelpunkte in Städten und Dörfern. Die Menschen identifizierten sich mit diesen Gebäuden, die für Erfahrungen außerhalb des Alltags stehen, für Jenseitigkeit, Sinnvermittlung und Gemeinschaft. Dass diese Orte in vielen Fällen von einem oft subtilen, manchmal aber auch drastischen Antijudaismus geprägt sein sollen, ist eine ernüchternde Nachricht.

Es stellen sich Fragen nach der Wirkung der unterschwelligen antijüdischen Propaganda. Wie hat sie die Kirchgänger beeinflusst?

Benedikt Körner studierte katholische Theologie und Islamische Studien. Im Erzbistum Paderborn ist er für den interreligiösen Dialog zuständig.

Weil es keine einfachen Antworten auf diese Frage gibt, schlagen die Leitlinien der Kirchen einen „besonnenen“ Umgang mit dem Thema vor. Es müsse ein Bewusstsein in den Kirchengemeinden geschaffen werden, meint auch Benedikt Körner. Die Mitglieder der Gemeinden sollten in Entscheidungen eingebunden werden, mit denen auf die Entdeckung antijüdischer Kunst reagiert wird.

Konkret könnten Skulpturen, Plastiken und Bilder aus den Kirchen entfernt werden. Andere Formen des Umgangs mit den Darstellungen sind „Sichtstörungen“, also die Unterbrechung des direkten Blicks auf das Objekt, oder eine zeitweilige Verhüllung. Generell sollten die betreffenden Kunstwerke und ihre antijüdische Haltung erläutert werden. Die Maßnahmen ersetzen nicht die Auseinandersetzung mit den problematischen Werken. Das führt auch zu einer Aufklärung über die Ursachen.

Überlegenheitsgefühl und Ausschließlichkeitsanspruch

„Die Wurzeln gehen zurück bis in die Frühgeschichte des Christentums“, beschreibt Benedikt Körner die Anfänge des Antijudaismus. Jesus und die ersten Mitglieder der frühen Kirche waren Juden und verstanden sich auch als Juden. Erst mit der Öffnung für nicht-jüdische Menschen in die Gemeinden der Jesusjünger kam eine wachsende Feindschaft mit der jüdischen Glaubens- und Lebenswelt auf.

Einen Höhepunkt erreichte die Diskriminierung und Verfolgung der Juden im Mittelalter, als in vielen Städten Europas blutige Pogrome stattfanden. Die Juden, so die christliche Mehrheit, hätten Brunnen vergiftet und die Pest verursacht. „Der zentrale Vorwurf war der des Gottesmordes“, sagt Benedikt Körner. Jüdinnen und Juden galten als von Gott verworfen, da ihr Volk die Schuld am Tod des Gottessohnes Jesus tragen würde.

Eine reale Grundlage hatten diese Unterstellungen und Verschwörungserzählungen nicht, das betont Benedikt Körner. Es habe sich auch um „gruppendynamische Prozesse“ gehandelt: Selbstfindung durch die Abwertung einer anderen Gruppe.

Die neue Gemeinschaft der Christen stand für einen verhängnisvollen Ausschließlichkeitsanspruch und ein Überlegenheitsgefühl gegenüber den Juden. Die Religion des Alten Testaments galt als überholte Stufe der Offenbarung.

Erst das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) beendete offiziell die antijüdische Grundhaltung der Kirche. Die Neuausrichtung war spätestens nach der Shoah unabdingbar geworden. Der Völkermord der Nationalsozialisten war die unermessliche Steigerung der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der Juden.

Aufklärung über antijüdische Kunst sensibilisiert uns

Kunstobjekte sind immer zeitabhängig. Sie müssen unter den Bedingungen, unter denen sie entstanden sind, verstanden werden. Das Mittelalter ist weit entfernt. Darauf verweist auch Benedikt Körner: „Wir sind davon überzeugt, dass niemand mehr den Juden vorwerfen würde, sie seien für die Pest verantwortlich, wie es damals geschehen ist.“

Andererseits verfiel die damals schon moderne deutsche Industriegesellschaft vor weniger als 100 Jahren einem Judenhass, der zum Tod von mindestens sechs Millionen Menschen führte. Wir leben in einer Gegenwart, in der „viele Menschen für menschenfeindliches Gedankengut ansprechbar sind“, wie es in den Leitlinien heißt. Verschwörungstheorien, Fake-News und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit beherrschen die Gesellschaft wie seit 1945 nicht mehr. Der Antisemitismus ist wieder virulent.

Dagegen hilft vor allem Aufklärung, betont Benedikt Körner: „Es ist wichtig, die Ursachen für antisemitische und antijudaistische Verhaltensweisen zu verstehen, um sie in Zukunft zu vermeiden.“

Antisemitismus und Antijudaismus

Der Begriff Antisemitismus steht für die vorurteilsbeladene Ablehnung jüdischer Menschen.

Seit dem 19. Jahrhundert gewann ein biologisch definierter, rassistischer und völkischer Antisemitismus an Einfluss, der bis zum nationalsozialistischen Holocaust führte. Rassisten bezogen sich auf die Evolutionstheorie von Charles Darwin und dessen Satz „Survival of the fittest“. Im Gegensatz zu Darwin, der sich auf die Tier- und Pflanzenwelt begrenzt hatte, übertragen rassistische Sozialdarwinisten die Theorie von der natürlichen Auslese auf die Gesellschaft. Danach ist der soziale Kampf zwischen „Rassen“ ein Naturgesetz. Der Hass auf Menschen anderer Rassen wird absolut.

Heute besteht der wissenschaftliche Konsens, dass der Begriff „Rasse“ ein kulturelles Konstrukt ist, das soziale und politische Ausgrenzung und Verfolgung mit angeblich wissenschaftlichen Argumenten zu rechtfertigen versucht.

Der Antijudaismus ist eine Unterform des Antisemitismus. Gemeint ist die christlich-theologisch begründete Ablehnung und Abwertung des Judentums, etwa als Konsequenz des Vorwurfs vom „Gottesmord“. Antijudaistischer Verfolgung konnten Juden (nicht immer) durch Konversion zum Christentum entgehen.

Der „Blutfluch“

Auf die Selbstentlastung des römischen Statthalters Pilatus, nicht schuldig am Tod Jesu zu sein, folgt im Matthäus-Evangelium die Selbstbelastung der Volksmenge: „Und das ganze Volk antwortete und sprach: ‚Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!‘“ (Mt 27,25).

Dieser Satz – der als „Blutfluch“ bezeichnet wird – hatte über zwei Jahrtausende katastrophale Folgen. Er prägte die christliche Volksfrömmigkeit und war seit dem 4. Jahrhundert Ursache für die Ausgrenzung und blutige Verfolgung jüdischer Gemeinden im christianisierten Europa. Die Pogrome wurden häufig als Erfüllung des „Fluchs“ aus dem Neuen Testament ausgegeben.

Begleitung und Beratung

Ein ausdrücklicher Dank

für die Beratung und Begleitung bei der Aufarbeitung sowie Bereitstellung von Informationen und Fotomaterial  geht an

  • Dirk Damm, ADA (Beratungsstelle für Antidiskriminierungsarbeit der Diakonie Paderborn/Höxter) und Projekt „Spuren sichtbar machen“
  • Benedikt Körner, Theologe und Referent beim Erzbistum Paderborn für interreligiösen Dialog
  • Karl-Martin Flüter, Pressebüro Flüter, Verantwortlicher Redakteur des Kirchenmagazins „geh mit“
Büro am Sitz des Leiters:
Kirchplatz 8, 33034 Brakel
05272 5483
pfarrbuero-brakel@pr-brakel.de
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Für seelsorgliche Notfälle und Sterbefälle ist ein Priester erreichbar.