„Blickkontakt ist immer Brückenbau und Neugier aufeinander. Über die Augen werden wir miteinander vertrauter (…) Wenn der Blick aktives Wohlwollen signalisiert, sind die „Augenbrücken“ Segensstraßen. Auf ihnen bewegt sich die Kraft, sich wahrzunehmen, die Kraft der Verbundenheit, die Kraft der Offenheit, das Wahre zu wählen und sich darüber zu freuen.“
Gernot Candolini
Diese „Weisheit“, liebe Unterstützer/innen und Interessierte der Äthiopienhilfe, ist mir auch auf meiner diesjährigen Äthiopienreise immer wieder bewusst geworden. Bitten um Hilfe, aber ebenso Freude über gelungene Verbesserungen schwieriger Situationen und tiefe Dankbarkeit für die erhaltene Unterstützung, haben mich immer wieder tief berührt. Besonders den Dank und die Segenswünsche der Menschen in den Projekten möchte ich hiermit an SIE weitergeben – erst durch IHRE UNTERSTÜTZUNG war die Hilfe vor Ort möglich!
Gleich zu Beginn meiner Reise stand der Besuch eines von Ordensschwestern geleiteten Kindergartens in Gojeb an, der von 185 Kindern aus ärmlichen Familien besucht wird. Die Kinder erhalten täglich ein einfaches Frühstück und ein warmes Mittagessen. Da die Räumlichkeiten sehr beengt sind, wurde eine offene Halle errichtet, die für die Mahlzeiten genutzt werden soll und auch für Gemeinschaftsaktivitäten während der Regenzeiten. Die benötigten Tische und Bänke ( Holz ) können nun Dank Ihrer Spenden angeschafft werden.
In Jimma stand erneut ein Besuch bei den Mutter Theresa Schwestern an, die immer wieder Anlaufstelle für schwerstkranke Menschen sind, die ohne deren Hilfe keine Behandlungsmöglichkeiten hätten. Aktuell konnte ich Mintiwab, ein 18 jähriges Mädchen vermitteln, dass als Kleinkind eine schwere Verbrennung der linken Hand und des Unterarms erlitten hatte. Durch starke Verwachsungen / Vernarbungen ist eine schwere Missbildung der Hand entstanden, die keinerlei „Funktion“ erlaubt. Die Schwestern sind gut mit verschiedenen Fachärzten verbunden, so kann Mintiwab z.B. im Mai einem Team aus Spanien vorgestellt werden ( Plastische-, Handchirurgie und Orthopädie ) die mit dem Menelik Hospital in Addis zusammen arbeiten / dort operieren. Bleibt abzuwarten, ob eine OP möglich sein wird.
Ein freudiges Wiedersehen gab es mit den „Little Sisters of Jesus“ in Wush Wush und der vor 10 Jahren durch IHRE Spenden gegründeten 1. Frauengruppe (Klein Kredite), die inzwischen selbständig arbeitet. Die Frauen sind sehr aktiv, haben eine Summe angespart und möchten eine kleine Backstube eröffnen. Die Räumlichkeiten werden von der Kirchengemeinde zu kleinem Preis zur Verfügung gestellt, Strom und Wasseranschluss sind inzwischen vorhanden. Ein einfacher, landestypischer Backofen und Zubehör können Dank Ihrer Spenden angeschafft werden.
Die mexikanischen Schwestern in Chiri leiden, so wie viele andere Institutionen und die Bevölkerung, unter der rapide steigenden Inflation im Land. So sind z.B. die Preise für Medikamente auf das Doppelte gestiegen oder auch nicht mehr zu bekommen. Löhne der Angestellten müssen angepasst werden u.v.m. Das neue Wartehaus für Schwangere ist im Rohbau fertiggestellt, für Betten und die geplante Küche fehlt aktuell das Geld…Auch den Schwestern konnte ich Dank IHRER Spenden ein wenig „ unter die Arme greifen „…
So auch dem Kinderheim in Chiri, in dem z.Zt. 15 Kinder versorgt werden. Bei meiner Ankunft dort, wurde gerade die kleine Mintesnot gebracht. Ihre Geburt fand ohne Hilfe in einer abgelegenen Hütte statt, es gab Komplikationen – für die Mutter kam leider jede Hilfe zu spät. Da der Vater nicht in der Lage ist, ein Neugeborenes zu versorgen, wird Mintisnot vorerst im Kinderheim versorgt. Durch IHRE Spenden konnten Babymilch, Pampers (3 Babys) und teure Epilepsie Medikamente ( 2 Kinder ) für ½ Jahr eingekauft werden.
Die kleine ambulante Klinik in Agaro Bushi wird erfreulicherweise sehr gut von den Menschen der abgelegen Dörfer angenommen. Die Zahl der schwangeren Frauen, die zur Vorsorge kommen, steigt stetig an. So ist es möglich, Risiko Schwangerschaften zu erkennen und b. B. die Frauen früh genug in das nächste Krankenhaus (4 Stunden off Road) zu verlegen. Auch Nachsorge nach einer Entbindung, und Vorsorge Programme / Impfungen für Kinder, werden zunehmend angenommen. Leider gibt es immer noch viele unterernährte Kinder, besonders in einigen der abgelegen Dörfer. Seit letztem Jahr bietet die Klinik für die betroffenen Mütter mit ihren Kinder ein spezielles Schulungsprogramm an, das 1x / Woche statt findet. In Theorie und Praxis wird für die kleinen Kinder eine Art Porridge zubereiten und gereicht, anschließend eine ausgewogene Mahlzeit für alle gekocht. Zwischendurch werden Gesundheitsthemen vorgestellt und besprochen, z.B. Ernährung, Hygiene, Impfungen, Familienplanung.
Mit einigen der Familien im RCAR Programm (Reaching Child At Risk / Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf), hatten wir im letzten Jahr mit Gemüse Anbau begonnen, um die Ernährungssituation zu verbessern und nach Möglichkeit auch ein kleines Einkommen zu erwirtschaften. Inzwischen sind fast alle auf einem guten Weg. Einige konnten ein Huhn anschaffen, damit weiter die Ernährung verbessern und ab und zu auch Eier für einen guten Preis verkaufen. Eine der Mütter hatte sogar Geld für den Kauf eines halben Schafes erwirtschaftet – den fehlenden Betrag habe ich sehr gerne dazu gelegt.
Der positive Wandel dieser Familien wird in den Gemeinden wahrgenommen, ebenso wie die wirtschaftlichen Erfolge der in Agaro Bushi bestehenden Frauengruppen ( 5 Gruppen/ 85 Frauen), die ebenfalls Gemüseanbau betreiben. Im letzten Jahr hatten sie zur Arbeitserleichterung einen Ochsen (Spende) erhalten und erfolgreich gewirtschaftet, so dass sie nun, durch eine weitere Spende unterstützt, einen zweiten Ochsen kaufen konnten. Das Gespann wird von allen Gruppen genutzt und nach Möglichkeit zusätzlich vermietet. In Absprache mit örtlichen Behörden, Würdenträgern und der Schule, werden zwei der Frauen Gruppen auf dem riesigen Schulgelände ihr Gemüse anbauen. Ein Teil ist als Schulgarten geplant, in dem die Schulkinder in Gruppen mit dem Verantwortlichen Lehrer Gemüse Anbau erlernen können. Es ist geplant, einen Teil der Ernte für eine gesündere Ernährung der Vorschulklasse zu nutzen.
In Warwarra, einem weiteren abgelegen Dorf, in dem es einen Kindergarten der „ Little Sisters“ gibt, hatten Frauen großes Interesse als Gruppe mit Gemüseanbau zu beginnen. Eine entsprechende Anbaufläche stellt die Kirchengemeinde zur Verfügung, ein Farmer seine Ochsen, die anwesenden Männer versprachen, die Frauen bei den körperlich schweren Arbeiten tatkräftig zu unterstützen – Saatgut, Hacken und einen Bewässerungsschlauch konnte ich Dank IHRER Spenden beisteuern. Auch hier ist geplant den Kindergarten mit frischem Gemüse aus dem Projekt zu versorgen.
Zum Abschluss meines 10-wöchigen Aufenthaltes in Äthiopien konnte ich ein paar Tage bei den Missionsärztlichen Schwestern in Attat verbringen. Auch hier machen sich Inflation und Auswirkungen des Iran Kriegs stark bemerkbar, da nur 38% der laufenden Kosten durch Patientenbeiträge abgedeckt werden können. Besonders die Kosten für Diesel sind immens, da auch die großen Generatoren des Krankenhauses damit betrieben werden. Aktuell kommt es zudem zu Lieferengpässen von Diesel und anderen Treibstoffen im ganzen Land. Auch das Attat Hospital wird durch IHRE Spenden unterstützt, mit dem Schwerpunkt der Behandlung von mittellosen Menschen.
Es war eine sehr intensive Zeit, mit vielen guten Begegnung, freudigem Wiedersehen, neuen Erfahrungen, aber auch mit traurigen Erlebnissen und Enttäuschungen. Es bleiben Hoffnung, Zuversicht und ganz viel Dankbarkeit auf beiden Seiten…
Es gibt noch viel zu tun – nur gemeinsam Schritt für Schritt, ist Hilfe zur Selbsthilfe möglich!
Herzlichen Dank – auch im Namen der betroffenen Menschen in Äthiopien – für Ihr Interesse, Ihre Unterstützung, Ihr Mittragen im Gebet und für Ihr Vertrauen!
Yerimba – möge Gott es Euch / Ihnen vergelten!
Mit herzlichen Grüßen,
Eure / Ihre Maria Sander