Für die meisten Brakeler ist der Besuch der liebevoll gestalteten Krippe in der Pfarrkirche St. Michael eine Tradition, für die 30 Teilnehmer der A1- und A2- Deutschkurse, geleitet von Felizitas von Boeselager und Anne Müller, hingegen eine spannende neue Erfahrung, die zum Staunen, zum Austausch über eigene Weihnachtsbräuche und zur Vertiefung der bereits gewonnen Deutschkenntnisse anregte.
Sprachkurse
Sprachkurse, wie sie über die Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im Erzbistum Paderborn und den Pastoralen Raum Brakeler Land mit finanzieller Unterstützung des Flüchtlingsfonds des Erzbistums ermöglicht werden, sollen nicht nur Vokabeln und Grammatik vermitteln, sondern auch mit der (oft anderen) Kultur vertraut machen und eine Orientierung in der neuen Heimat ermöglichen. Dazu gehörte in diesem Jahr auch der Besuch der noch weihnachtlich geschmückten Brakeler Pfarrkirche und speziell der Krippe.
Erkundung der Kirche
Am 14.01.2025 starteten die Teilnehmer und ihre beiden Deutschlehrerinnen die Erkundung der Kirche im Turm. Beeindruckt von der Holzschnitzerei an der Tür zur Orgel und an der Decke, wurde zunächst vor der Statue der Mutter Anna eine Kerze als Hoffnungs- und Friedenszeichen entzündet, denn ein Großteil der Kursteilnehmer stammt aus der Ukraine, aus Syrien und Afghanistan, also aus Kriegsgebieten. Schon der erste Blick in Richtung Altar mit den dankenswerterweise von der Küsterin Karin Oesselke erleuchteten Tannenbäumen motivierte die Lernenden, ihrem Erstaunen Ausdruck zu verleihen „Ich mag Kirche in Brakel und Gotischer Stil, schönen Altar und wunderschöne Buntglasfenster“, war nur eine Äußerung. Gerade die ukrainischen Kursteilnehmer beschrieben die Unterschiede zu ihren orthodoxen Kirchen: „In der Ukraine sind die Kuppeln der Kirche viel niedriger, aber vergoldet. Oben auf der Kuppel befindet sich ein Kreuz.“ Die Tannenbäume findet man außen um die Kirchen herum, nicht in der Kirche selbst.
Nach einer Betrachtung einiger Figuren an den Altären erregte das Taufbecken die Aufmerksamkeit der Betrachter, bevor die Gruppe sich der Krippe zuwandte. Hier wurden wiederum viele Fotos gemacht, die in den folgenden Unterrichtsstunden ebenso wie der zur Verfügung gestellte Grundriss der Pfarrkirche genauer besprochen und mit neuen Vokabeln beschriftet wurden. So entwickelte sich ein Gespräch zum Stichwort „Heilige drei Könige“, die auch in der orthodoxen Kirche nicht unbekannt sind. Spontan zeigte in der nächsten Unterrichtsstunde ein Teilnehmer ein Video mit einer Gruppe ukrainischer „Sternsinger“, die wie in Deutschland durch die Straßen laufen bzw. unter dem Tannenbaum in einem Haus sangen. Die mehrstimmigen Gesänge beeindrucken.
Fazit
Das Fazit des kleinen Projektes „Kirchen- und Krippenbesuch“ lautet, dass der Austausch über Traditionen und religiöse Bräuche verschiedener Nationalitäten die Menschen miteinander ins Gespräch bringt. Wie die Weihnachtsgrüße, die die Kursteilnehmer u.a. Pfarrer Kurte und Frau Stieneke geschickt hatten, zeigt, sind die aus Krisengebieten geflüchteten Menschen dankbar, hier in Brakel unterstützt zu werden und die ersten Kenntnisse in Deutsch vermittelt zu bekommen.